Polititikverdrossen

Eine arrogante Betrachtung.

Dieser Tage, angesichts der Europawahl und der anstehenden Bundestagswahl, liest man wieder mal viel über die Politikverdrossenen. Man kann darüber lesen wie sie vom Tagesgeschäft der Politik angewidert allen politischen Aktivitäten den Rücken zukehren und mit all dem, den Wahlen eingeschlossen, nichts mehr zu tun haben wollen. Auch die Schuldigen sind schnell benannt: Die Politiker, die alle belügen und betrügen.

Die armen Politikverdrossenen.

Natürlich lügen Politiker!

Ich finde nun: Wir haben exakt die Politiker, die wir verdienen!

Warum soll man erwarten, das ein Politiker ein besserer Mensch ist, als die Mehrheit der Bevölkerung es ist? Was könnte  die Motivation für einen Politiker sein, sein Wahlvolk nicht zu belügen?

Sagt er die Wahrheit, so wird ihm oft ein Strick daraus gedreht werden. weil die Wahrheit oft unangenehm ist und unangenehme Wahrheiten verträgt das  Wahlvolk nicht gut. Es neigt dann eher dazu, dem jeweiligen Kontrahenten, der praktischer weise das Gegenteil behauptet, seine Stimme zu schenken. Das dann dieser Lügt, hat bis zur nächsten Wahl ohnehin jeder wieder vergessen. Wie praktisch.

Was folgt daraus für mich:  Politik zu verstehen ist nicht einfach. Die Wirtschaft heute, sowie die globale politische Lage sind komplexe Themen, die eine andauernde Auseinandersetzung verlangen. Ist es da nicht einfacher, den Politikverdrossenen zu geben und sein Desinteresse und Unwissen hinter der pseudointellektuellen Maske der (scheinbar) wissenden Verdrossenheit zu verstecken?

Ich glaube, von allen Leuten die offen Ihre Politikverdrossenheit verkünden, sind 95% einfach geistige Dünnbrettbohrer, die einen netten und im moment sehr aktzeptierten Weg gefunden haben ihre völlige Inkompetenz hinter einem einfachem Schlagwort zu verstecken. Und ich glaube weiter, dass, solange wir in einem Land leben, in welchem die Bildzeitung die auflagenstärkste Zeitung ist, wird sich das nicht ändern. Denn Zeiggeschichte verlangt Auseinandersetzung und  permanente Hinterfragung von Positionen und dies wiederum verlangt Nachdenken und das ist wohl etwas zuviel verlangt in einem Land in dem die Bildzeitung ein anerkanntes Medium zur politischen Berichterstattung und Google gleich Internet ist.

Das wirklich fatale dabei ist, dass all dies der politischen Klasse hervoragend in die Karten spielt: Auf die wenigen, die die Lügen und Intrigen eventuell durchschauen braucht man keine Rücksicht zu nehmen, wir reden von Promille bei der nächsten Wahl. Also weiter fröhlich gelogen und betrogen wie bisher!

Und bevor die Frage aufkommt: Nein, ich war nicht wählen. Ich bin Politverdrossen und kann nicht sehen, was ich mit meiner Stimme ändern könnte, ausser dafür zu sorgen dass radikale Parteien nicht zuviel vom Verhältnis abbekommen.

Und bevor weiterhin die Frage aufkommt: Ja, ich bin ein arrogantes Arschloch!

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2 Gedanken zu „Polititikverdrossen

  1. Moin Markus,

    der Ansatz aus dem letzten Absatz ist doch genau die Kerbe in die ich immer rein hauen mag wenn ich über Wahlverweigerer rede. Einfach nichts zu sagen in dem man seine Stimme ungültig macht reicht doch vollkommen aus.
    Aktives Schweigen :-)

    Ich bin Politverdrossen und kann nicht sehen, was ich mit meiner Stimme ändern könnte, ausser dafür zu sorgen dass radikale Parteien nicht zuviel vom Verhältnis abbekommen.

    Grüße aus dem rechtsgerutschten NL :-(
    Markus

  2. ich kann deine Wut, Ohnmachtsgefühle und Verdrossenheit sehr gut nachvollziehen. Auch ich hatte mir viel versprochen von unserem Land. Speziell nach der Wiedervereinigung, da hatte ich so richtig das Gefühl, zu etwas dazuzugehören, was sich ändert, was man beeinflussen kann und ich war froh, dass ich Wählen durfte bei dieser ersten Gesamtdeutschen Wahl (da kam ich grade aus Russland zurück, die hatten zu dem Zeitpunkt auch grade eine grosse und wichtige und zum ersten Mal ‚freie‘ Wahl mit mehreren Parteien.
    Ja, und je mehr ich mich engagiere und je bewusster mir die kleinen und grossen Zahnräder in unserem System werden, desto mehr ärgere ich mich. Aber ich möchte nicht resignieren. Ich werde weiter Wählen gehen. Und wenn es, wie bei der Europa Wahl, keine einzelne Partei gibt, der ich zutraue die Sache gut zu machen – dann kreuze ich halt mehrere an!! Zusammen werden die das Schiff schon schaukeln.
    Stell dir doch einfach mal vor, bei der Bundestagswahl würden alle Nichtwähler plötzlich zur Wahl hingehen und nur ihre Stimme ungültig machen. Stell dir das mal vor!! (Natürlich funzt das ‚IRL‘ ein wenig anders, aber stell es dir erstmal vor):
    Es gäbe mehr ungültige Stimmen als gültige. Die Partei der Nichtwähler hätte 60+% der Sitze im Bundestag. CDU und SPD wären die einzigen, die es noch knapp über die 5% geschafft hätten und der Rest muss mit Herrn Westerwelle kegeln gehen.
    An dieser Vision halte ich zur Zeit fest. Nicht an der Wahl zwischen Not und Elend, sondern daran, dass man auch seine Verdrossenheit sinvoll als Waffe und Denkzettel einsetzen kann.
    Spread the Word! Go and Vote!
    Viele Grüße
    dein Rapunzelchen :-)

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