Vom Sammler zum Streamer

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Wer mich kennt, der weiß, dass ich Musik in fast jeder Stilrichtung höre. Von der Arie bis zum Metall, vom Schlager bis zum Liedermacher gibt es fast nichts, was ich nicht höre. Und solange ich Musik höre, habe ich Musik gesammelt.

Als Schüler mit nur begrenztem Etat habe ich meinen Grundig Kassettenrekorder heiß und innig geliebt. Dank des eingebauten Mikrofons konnte ich vorm Fernseher sitzen und Musik aus der “disco” aufnehmen. Versteht sich von selbst, dass der Rest der Familie nicht reden oder sonstige Geräusche von sich geben durfte.gru_cr485

Außerdem hatte er einen Anschluss für ein Überspielkabel. Etwas das der heutigen Generation völlig fremd sein dürfte. Aber wir haben damit früher unsere Kassettenrekorder zusammengeschlossen und so Musik von einer Kassette auf die andere überspielt. Wenn man so will: die erste Tauschbörse…

Wer irgendwann dann auch noch ein Radio mit dem passenden Ausgang für ein Überspielkabel  hatte, der hat dann den Kassettenrekorder daran angeschlossen und Mal Sondocks Hitparade mitgeschnitten und sich jedes mal geärgert, wenn er wieder zu früh dazwischen gequatscht hat.

Irgendwann, mit steigendem Taschengeld kamen zu den Kassetten Langspielplatten mit dem passendem Abspielgerät dazu. Das Geld saß nicht allzu locker, aber trotzdem wurde die Sammlung an LP’s schnell größer. Ich hatte zu der Zeit, wie die meisten meiner KompaktanlageFreunde eine Kompaktanlage mit Radio, Plattenspieler und Kassettendeck. Ein gängiges Geburtstagsgeschenk zu dieser Zeit waren Kassetten. Denn die guten Metallkassetten haben dann das Taschengeldbudget doch gesprengt. Es versteht sich von selbst, dass man sich zu der Zeit gegenseitig seine Platten geliehen hat, um sie auf Kassette aufzunehmen. So wuchs die Sammlung von LP’s und Kassetten unaufhörlich. 

 

Irgendwann kam dann die erste CD und von da an habe ich nie wieder Platten gekauft. Nach und nach habe ich alle Platten als CD nachgekauft und letztlich in einer großen Party meine gesamte Plattensammlung an meine Freunde verschenkt. Es dürften so ein paar Hundert gewesen sein.

cd

Meine CD Sammlung habe ich heute noch und sie besteht wieder aus einigen Hundert CD’s. Sie ist im laufe der Zeit immer weiter angewachsen und wächst auch heute noch, wenn auch nur in minimalen Schritten. Denn mit Aufkommen der MP3’s habe ich die bestehende Sammlung digitalisiert und kaufe heute in aller Regel nur noch MP3’s. Der Grund hierfür liegt in der einfachen Verwaltung der digitalen Sammlung und der schnellen Möglichkeit Titel zu finden. Außerdem lassen sich so wunderbar leicht Wiedergabelisten zusammenstellen.

Was alle diese Musikquellen bisher gemeinsam hatten, war, dass ich die Musik besessen habe. Ich habe die Kassetten, Platten,CD’s und MP3’s gekauft und gesammelt. Wenn man viel unterschiedliche Musik hören wollte, musste man entweder Radio hören, wobei man nie wusste, was da gespielt würde oder man hat sich eine große Musiksammlung zugelegt. Ich habe mir eben eine große Musiksammlung zugelegt. Sicherlich habe ich auch ein kleines Sammlergen in mir, welches die Sammelwut unterstützt hat.

lastfm

Die erste Abkehr von dieser Sammelwut kam, als ich Last.FM kennengerlernt habe. (Link zu meinem Profil) Hier kann man Musik hören, ohne das man den Interpreten genau festlegen kann, aber man kann Musik einer bestimmten Richtung hören. Bei Last.FM heißt das “Radio”. Also ein Beispiel:

Ich suche Bruce Springsteen und Last.FM spielt mir einige Lieder von Springsteen, mixt diese aber mit anderen Liedern, die in die gleiche Stilrichtung gehen, wie Springsteen. Hierbei “lernt” Last.FM meine Hörgewohnheiten: Höre ich mir ein Lied zu Ende an, geht Last.FM davon aus, dass es mir gefallen hat. Höre ich es nicht zu Ende, geht Last.FM davon aus, dass mir diese Musik nicht gefallen hat. Also umso mehr Lieder man hört, umso besser kann Last.FM mir Musik zum hören vorschlagen, die mir gefallen könnte. Ich bin nun schon lange bei Last.FM und habe auf diesem Wege viel gute und für mich neue Musik kennengelernt.

Aber da Last.FM aus Lizenzgründen zum Beispiel keine ganzen Alben eines Künstlers abspielen darf, muss man Musik immer noch kaufen, damit man sie hören kann, wann immer man sie hören möchte.

spotify

Hier kommen jetzt Dienste wie Spotify (Link zu meinem Profil) in Spiel. Hier kann man sich anmelden und bezahlt monatlich seinen Beitrag und kann Musik on demand hören.  Man kauft keine CD’s oder MP3’s, sondern man erwirbt das Recht die Musik zu hören. in aller Regel erfolgt das per Streaming aus dem Internet. Die Musik liegt also nicht irgendwo auf meinem Gerät oder steht auch nicht in meinem Regal, sondern irgendwo zentral im Internet auf einem Server und ich lade sie mir erst zum Zeitpunkt des Anhörens runter. Dank Smartphones und dazu passender Internetflat ist das fast überall und jederzeit möglich. Zwar kann man auch hier Wiedergabelisten lokal auf auf dem Endgerät speichern, aber das ist eigentlich die Ausnahme.

Mit Last.FM und Spotify und Co hat sich meine Musiksammelleidenschaft geändert: Ich habe aufgehört zu sammeln. Ich nutze Last.FM um Musik in einer Art Radioformat zu hören. Mit dem entscheidendem Vorteil, dass dieses Radio zu 90% Musik spielt, die mir gefällt. Wenn ich etwas ganz bestimmtes hören möchte, also neue Alben oder ähnliches, dann höre ich Musik über Spotify.

Unterstützt wird diese Art des Musikhörens auch dadurch, dass es mittlerweile gut bezahlbare Wlan-Radios gibt, die auf Quellen wie Last:FM und Spotify zugreifen können.

Natürlich kaufe ich auch heute noch CD’s und MP3’s, aber es ist die Ausnahme: Zum einen gibt es bestimmte Künstler, deren Alben ich einfach komplett in der CD Sammlung haben möchte (hier bin ich eben doch noch der Sammler) und zum einen bieten Dienste wie Spotify noch nicht das ganze Spektrum der Musik, die ich höre, da es eben manchmal doch ein wenig zu weit weg ist vom Mainstream. Aber es ist tatsächlich die Ausnahme.

Insgesamt bin ich aber tatsächlich vom Sammler zum Streamer geworden und ich glaube auch, dass dies die Zukunft des Musikbusiness ist. Wir werden immer weniger wirklich physische Musiktonträger kaufen, sondern lediglich das Recht, die Musik zu hören. Und das bringt uns Musikfreaks sogar mehr, denn für einen festgelegten Betrag, können wir soviel Musik von soviel Künstlern wie wir wollen hören. Müssten wir all die Musik als CD oder MP3’s kaufen, wäre das viel zu teuer.

Wie sieht das bei Euch aus? Seit Ihr noch Sammler oder Streamt Ihr schon?

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6 Gedanken zu „Vom Sammler zum Streamer

  1. Ich erkenne mich wieder! Auch wenn ich gleich den Sprung von der Kassette zur CD gemacht habe. Und Spotify durch Napster ersetze … Ansonsten ist es bei mir das Gleiche.

  2. Morgen Markus,
    kenne das beschriebene und finde mich darin auch teilweise wieder.
    Teilweise deshalb weil ich an der Stelle schmunzeln musste als du deine LP Sammlung verschenkt hast. Ich halte dieses Medium ja weiter in Ehren und bin wohl einer derer die dann und wann mal LPs geschenkt bekommen oder zur 'Bewahrung' als Dauerleihgabe anvertraut bekommen.
    Oder eben auch mal stundenlang auf Festivals wie Bochum Total bei denn fliegenden Händler stehen und in den LP Kisten wühlen um das ein ooder andere Schätzchen noch zur Sammlung hinzu fügen zu können.
    Was aber die alltägliche Beschallung betrifft da halte ich es genau so wie du, LastFM und ähnliche Dienste.
    Schönen Sonntag noch
    Markus

  3. Moin zusammen…
    Ich erkenne mich nur teilweise wieder. 
    Angefangen habe ich mir Kassetten und habe den Umstieg auf die CD dankbar angenommen. Zwischenzeitlich habe ich auf die MiniDisc (wenn sich noch jemand erinnert) geschworen und war der Meinung, diese sei besser als CD und MP3.
    Nach und nach wurde meine Musiksammlung auf dem Rechner größer und inzwischen habe ich viele CD's verkauft, meistens jene, die mir nicht so viel bedeuteten. CD's meiner Lieblingsalben stehen noch im Regal, habe diese aber gerippt.
    Streamingangebote nutze ich nur, um mal kurz einen Song anzuhören. Ist ganz nett, aber ich will mich nicht zu sehr vom Internet abhängig machen.
     
    LP's habe ich auch noch, ich liebe eigentlich LP's, weil man nicht so schnell in Versuchung kommt vor zu spulen. UND: Die LP hat noch gescheite Cover, die auch keine CD bieten kann, MP3's schon gar nicht.
     
    Ich stehe irgendwo zwischen LP und MP3. 

  4. Moin!
    Könnte meine Geschichte sein!
    Also ichsammle noch, zumeist mp3s, lege sie aber in Clouds ab, sofern das sowieso nicht automatisch geschieht. iTunes z.B. CDs und alte Festplatten wohnen nun im Keller; auf einem älteren IPod Klassik liegen nochmal xxgigabyte Musik.
    Ansonsten wird von Apfelgeräten Musik drahtlos auf die Anlage wiedergegeben .
    Schöne neue Welt!

  5. Hallo Frau Schaaf!
    jaap, bin ich. Von der Musikauswahl sind sie eigentlich genau wie Simfy, aber die Apps gefallen mir viel besser und vor allem: Ich kann Spotify auch mit meinen Wlan-Radios hören :-)

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