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Die Piraten sind die neuen Grünen…

Piratenflagge

Da bei uns in NRW eine Landtagwahl vor der Tür steht, unterhält man sich dieser Tage natürlich ein bisschen mehr über die Parteien, die zur Wahl antreten.

Angesichts der Erfolge bei anderen Wahlen und den Prognosen für die Landtagswahl in NRW bleibt es natürlich nicht aus, dass man auch über die Piraten-Partei spricht.
In diesem Zusammenhang kommt immer wieder ein Kommentar vor:

“Die Piraten sind die neuen Grünen”

Das sind sie aber nicht!

Wie kann man eine kleine Ein-Themen-Partei mit den Grünen vergleichen? Ich stehe nun nicht in Verdacht, ein besonderer Freund der Grünen zu sein, aber man muss doch anerkennen, dass sie aus einer politischen Bewegung entstanden ist und nicht aus einem mehr oder weniger entpolitisierten Internet-Schwarm.
Sicherlich waren auch die Grünen zu Beginn nicht in allen politischen Bereichen aufgestellt, kommen sie doch aus der Umweltbewegung, der Anti-AKW-Bewegung und der Friedensbewegung. Wenn man weiter bedenkt, welche Köpfe sie damals in ihren Reihen hatten: Ob eine Petra Kelly, einen Otto Schily oder Jutta Ditfurth, Antje Volmer,Joschka Fischer und so weiter und so weiter.. Man muss die einzelnen Personen nicht mögen, aber wer würde ihnen die politische Intelligenz absprechen wollen?
Dem gegenüber haben wir die Piraten. Meiner Meinung nach eine politisch völlig inhaltsleere Partei, die ein Thema hat: Die Freiheit im Internet. Ansonsten gefällt man sich mit großen Parolen oder dem direkten Eingeständnis, über die meisten politischen Fragen von heute noch nicht wirklich nachgedacht zu haben.

Natürlich ist die Freiheit, egal ob im Internet oder sonstwo, eine wichtige Frage unserer Zeit und wir müssen sie sorgsam bewachen und bewahren, aber auch die Freiheit ist nicht grenzenlos.

Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit den Anderen beginnt – Kant -

Eine Partei, die ernsthaft diskutiert, ob die Äußerungen ihres Mitgliedes Bodo Thiesen durch die Meinungsfreiheit gedeckt sind oder nicht, disqualifiziert sich für mich augenblicklich zu einer Horde pseudo-intellektueller Schwätzer!
Und leider gibt es diese Diskussionen bei den Piraten ja immer wieder. Bis heute.

Wenn man sieht, wer die Grünen zu beginn ihrer Zeit gewählt haben, so waren es politisch aktive und engagierte  Menschen. Die Protestwähler sind erst später dazu gekommen, als es nicht mehr ganz so “abseitig” war, die Grünen zu wählen.

Wer aber wählt die Piraten? Sie scheinen es zu schaffen, in erster Linie die Nichtwähler und die Jungwähler zu mobilisieren. Also klassisch, die politisch eher desinteressierten und desinformierten Gruppen.
Das verwundert mich nun wieder nicht: Die Piraten beschäftigen sich fast ausschließlich mit Themen, mit denen diese Gruppen sich auch beschäftigen: Irgendwas mit Internet.

Diese Gruppen wollen sich nicht mit anderen politischen Zeitfragen beschäftigen, weil die Auseinandersetzung mit diesen Themen schwierig ist, es keine einfachen Antworten gibt. Da klingt es doch immer sympathisch, wenn eine Partei sagt: “Dazu haben wir noch keine Meinung”.
Wenn ich ein Thema nicht verstehe, ist es doch gleich leichter zu ertragen, wenn es eine ganze Partei gibt, die das auch zugibt. Das verbindet doch direkt. Wie könnte ich die nicht wählen??

Also mir egal, ob Ihr diese –Wir-machen-was-mit-Internet-und-Freiheit-Partei wählt oder nicht, ich werde sie ja wohl ohnehin im Landtag sehen, aber vergleicht diese Luftnummer nicht immer mit anderen Parteien, die eine echte politische Vergangenheit haben.

Danke!

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5 Kommentare

  1. Könnte von Geißler aus dem Jahr ’82 sein. Dem Duktus nach, btw.

    “Diese Gruppen wollen sich nicht mit anderen politischen Zeitfragen beschäftigen”. Sie beschäftigen sich sehr wohl damit und merken, dass sie manipuliert und verarscht werden, dass die sogenannten politischen Zeitfragen gar keine sind, wenigstens nicht ihre. Sie merken, dass diese Republik in Frankfurt und nicht in Berlin regiert wird, sie merken dass gerade die Alt-Protestparteien genauso der Lobby erlegen sind, irgendwie. Und die Piraten versprechen zumindest sie das formulieren zu lassen, nach Wegen der Teilhabe zu suchen, jenseits der Spin-Doktoren und der ach so demokratischen Verleger und Intendanten.
    Ich glaube nicht, dass die Piraten das letztendlich können. Aber der Versuch bleibt spannend, auch wenn sie etablierten Politikbeobachter so verächtlich gegen die Jungen schrieben. Hatten wir tatsächlich ’83 auch, wie schon ’69 etc.. Lokal gesehen. In den Niederungen, dort wo sich kein Schily, keine Dithfurt, kein Joschka sich je hin begaben.
    Das sind die Enkel der ’68iger. Lass sie doch mal was neues versuchen, erarbeiten, probieren. Das alte scheint nicht mehr alleine so recht zu funktionieren….

    Also ich bin froh, dass meine Kinder von den Piraten politisiert werden, nein sie sind keine Mitglieder, noch nicht.

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  2. Hi Mikel

    “Könnte von Geißler aus dem Jahr ’82 sein. Dem Duktus nach, btw.” :woot:

    Den muss ich erst mal verdauen ;-)

    Aber ansonsten gebe ich Dir nur zum Teil recht: Dieses ewige Gerede, wir würden alle nur manipuliert und meinetwegen von Frankfurt regiert: Wie ist es denn dahin gekommen?? Die Leute können verarscht werden, weil sie die Zusammenhänge nicht mehr verstehen und nicht den Willen aufbringen, sich mit komplexen Dingen zu beschäftigen. Wäre ich ein Politiker, warum sollte ich mir groß Mühe geben, wenn ich wüßte, dass ich am Ende eh erzählen kann was ich will, weil keiner sich die Mühe macht, es nachzuprüfen?

    Politik setzt voraus, dass wir mündige und engagierte Bürger haben und die haben wir meiner Meinung nach nicht, weshalb viele heute mal dieser und morgen mal jener Splittergruppe nachlaufen, Hauptsache die Antworten und Themen sind einfach und für jeden sofort zu verstehen.
    aber ich gebe Dir Recht, wenn die Piraten den einen oder anderen politisieren, dann finde ich das auch gut.

    Ansonsten kaue ich noch an dem Geißler 82 :-)

    lg Markus

    Antworten
  3. Du triffst den Punkt: “Politik setzt voraus, dass wir mündige und engagierte Bürger haben”. Die Piraten sind vielfach – zumindest soweit ich es wahrnehme – aktuell noch nicht politisch engagiert, sondern beschäftigen sich auf der Metaebene mit sich selbst und kokettieren mit dem Unwissen in einigen Bereichen.
    Das ist eine gewisse Zeit legitim und ich kann sehr gut damit leben, wenn sich jemand erst dann mit einem Thema beschäftigt, wenn es direkt auf ihn zukommt. Das ist lokalpolitisch durchaus regelmäßig so. In einer darüber liegenden Hierarchie, sollte es dann aber nach ein paar Monaten durchaus anders laufen. Und ja, ich weiß dass die Piraten eine Parteiprogramm haben.

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  4. “Wer aber wählt die Piraten? Sie scheinen es zu schaffen, in erster Linie die Nichtwähler und die Jungwähler zu mobilisieren. Also klassisch, die politisch eher desinteressierten und desinformierten Gruppen.”

    Das würde ich so nicht sagen, der Jungwähler ist wohl eher von den klassischen Parteien abgehängt worden und scheint auch nicht von großem Interesse für die Parteien zu sein.
    Auch wenn ich diese Aussage “Egal ob CDU, SPD etc., die sind doch alle gleich” für etwas platt halte ist da etwas dran. Die EHEMALIGEN Volksparteien bestehen doch größtenteils nur noch aus Juristen und so weiter.
    Da kommen die Piraten genau passend daher und schaffen es ohne Probleme jüngere Wähler zu mobilisieren.

    Natürlich sind die Piraten Dellitanten, aber in den anderen Parteien gibt es mindestens genau so viele wie Guttenberg, Wulff und so weiter. Bei vielen Entscheidungen fassen sich die meisten Bürger doch am Kopf.
    Der Unterscheid ist nur, dass die Piraten offen zu ihren Unfähigkeiten stehen.

    Ob ich die Piraten nun synpathsich finde oder nicht, ist wieder eine ganz andere Frage. Es wird Zeit das mal das poilitische (sorry aber das muss ich so sagen) “Kastensystem” etwas aufgelockert und durcheinander gewirbelt wird.
    Ich habe mir geschworen, dass von mir keine der “großen Parteilen” jemals eine Stimme noch bekommt.

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