PRISM, TEMPORA und Co

bigbrotherSo langsam geht mir diese hektische und oberflächliche Debatte um Prism und andere Datensammlungsprogramme gehörig auf den Geist.
Wer da nicht alles was zu sagen kann und wie inhaltsleer das meiste davon doch ist!

Warum diskutieren wir nicht die Fragen, die dabei wirklich wichtig sind, weil sie die Grundlage für Datensammlungen darstellen: Brauchen wir und wollen wir Dienste und Organisationen, die mehr oder weniger im geheimen Daten nicht nur sammeln, was an sich nichts bedeuten würde, sondern sie auswerten und versuchen Querbeziehungen zwischen einzelnen Datensätzen herzustellen, um dann Rückschlüsse daraus zu ziehen?

Im Gegensatz zu den zumeist aufgeblasenen Wichtigtuern in Funk und Fernsehen und den selbsternannten Interneteliten, bin ich da nicht so sicher. Die Sache hat einfach zuviele Facetten für eine einfache Antwort. Es ist eben wie immer im Leben: Wer immer schnelle und einfache Antwortphrasen parat hat, ist eben zumeist eine Luftnummer!

Wie könnte Ermittlungsarbeit heute aussehen, wenn man keine Daten sammeln würde und versuchen würde diese zu bewerten? Der Ermittler steht wieder mit hochgeschlagenem Kragen an der Straßenecke und versucht Verdächtige zu überwachen?
Wohl kaum…
Wenn man aber nun sagen würde, dass es kein Bedrohungspotenzial für unsere Gesellschaft geben würde. Weder durch rechte oder linke Gruppen. Auch nicht durch radikale Religionsfanatiker oder durch das organisierte Verbrechen. Dann würde doch der Kommissar an der Straßenecke wieder reichen?
Nur glaube ich das?

Was, wenn PRISM nur ein einziges Leben gerettet hätte? Wäre es dann gerechtfertigt gewesen, es heimlich zu benutzen?
Wenn es nicht gerechtfertigt gewesen wäre, es wegen nur eines Lebens zu benutzen, wie viele Leben müssen dann auf der Waagschale liegen, bis es gerechtfertigt ist?
Und wer bestimmt das und wer bestimmt, wer diesen Preis bezahlt?

Wieviel ist Freiheit wert und wann wird sie durch solche Dinge konkret bedroht?

Was, wenn ich nun denken würde, dass unsere Gesellschaft von vielen Seiten bedroht wird oder bedroht werden könnte, wäre es dann denkbar Organisationen unter dem Dach einer demokratischen Gesellschaft anzusiedeln, die Daten sammeln, sie vernetzen und damit versuchen Schaden von uns  abzuwenden?
Wer sollte solche Organisationen wie kontrollieren?

Ihr seht: Ich reiße das Thema für mich nur kurz an und komme von Fragestellung zu Fragestellung. Und weil die meisten der Lautsprecher im Internet und in Funk und Fernsehen nicht in solche oder andere Fragestellungen laufen, halte ich die meisten für Dummköpfe oder Blender.
Es gibt nun mal bei komplizierten Angelegenheiten keine einfachen Antworten, außer für einfache Geister!

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3 Gedanken zu „PRISM, TEMPORA und Co

  1. Ein sehr staatstragender Kommentar, der die emotionale Seite vollkommen außer acht lässt. Und das in einem Land, das 2 der übelsten Geheimdienste des letzten Jahrtausends hervorgebracht hat. Gestapo und Stasi. Es ist tatsächlich erschreckend, was da durch die Gazetten kreucht. Ein Geheimdienstkontrolleuer, Uhl, der sich ersteinmal JETZT die technische Grundlage eines Mailverkehrs erklären lassen muss, z.B. Es geht im Bauchgefühl darum, dass da eine antidemokratische Gegenwelt etabliert wurde, die jenseits allen Rechts einfach macht und das unbehagliche Gefühl, dass diese Gegenwelt unsere Welt übernimmt oder dazu missbraucht wird. Das ist kein ruhiges Überlegen, wie ein Geheimdienst auszusehen hätte. Es ist die Hilflosigkeit angesichts intransparenter Strukturen, die nicht zu fassen sind. Und dass die ernannten politischen Gestalten von der Kanzlerin angefangen unfähig oder unwillig sind, das ganze zu moderieren. Es geht um Angst, um Kontrollverlust und die Wut wiedereinmal manipuliert worden zu sein. Die Angst vor einer Super-Stasi, die dann vielleicht zur Gestapo wird. Das ist Stand der Diskussion. Deine Überlegungen könnten hilfreich sein, ja, aber sie verhallen, weil der emotionale Zusammenhang fehlt…

  2. Hi Mikel
    Stimmt: die emotionale Seite habe ich nicht betrachtet. Gehört aber dazu. Da gebe ich Dir recht.
    Ich wollte in erster Linie nur darauf hinweisen, daß die Fragestellungen komplexer sind, als sie im Moment diskutiert werden und wohl auch zu komplex für die Leute, die sie diskutieren.
    Wie ich durchklingen ließ: ich bin für mich selbst noch nicht zu einem zufriedenstellendem Standpunkt gekommen…
    Gruß Markus

  3. Ich empfehle dazu die aktuelle „Beckamann“ Sendung. Ausnahmsweise mal wirklich kluge Köpfe mit dabei.

    Es geht um unsere Grundrechte und sonst nichts und wenn ich Menschen sagen höre: „Ich hab‘ doch nichts zu verbergen“, dann stelle ich mir die Frage, ob man so leichtfertig die Demokratie auf’s Spiel setzten soll…

    Prism gab es schon lange vor 9/11 ich verweise mal auf einen Podcast aus dem jahr 1998!
    http://www.pooly.net/der-chaosradio-podcast-von-1998-erklart-uns-prism/

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