70 Jahre Ausschwitz

70 432459_web_R_by_Michael Werner Nickel_pixelio.deJahre ist es nun her, dass die Sowjets das KZ Ausschwitz befreiten.
Und fleißig wird heute am Beispiel Ausschwitz diskutiert, dass dies die Schande unsere Großelterngeneration ist, mit der wir nichts mehr zu tun haben.
Schließlich gibt es keine Sippenhaft!

Faktisch ist das sicherlich richtig. Wer wollte mir ankreiden, was meine Großeltern vielleicht getan oder auch nicht getan haben.
Um ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht mal, weil wir nie darüber geredet haben…

Aber ich für mich sehe das ein wenig anders:
Ich trage keinerlei persönliche Schuld für irgendwas. Ich muss mich weder für meine Großeltern, noch für meine Elterngeneration vor irgendwem rechtfertigen. Was immer sie getan haben, ist ihre ureigene Schuld oder auch Unschuld.

Auch als Deutscher sehe ich mich nicht unbedingt in der Schuld, aber in der Verpflichtung der Vergangenheit!

Man kann nicht einfach ausblenden, was hier passiert ist und eine abstrakte Frage von Schuld oder nicht Schuld diskutieren.

Es wäre komisch oder falsch zu sagen, ich würde es jedem „empfehlen“ einmal ein KZ zu besuchen, aber jeder sollte es tun, wenn die Möglichkeit dazu besteht.
Ich war während der Schulzeit im KZ Theresienstadt zu Besuch und da wird das Grauen sehr schnell sehr konkret. Wenn man die Baracken sieht und und einmal in ihnen steht, wird plötzlich furchtbar real, was vorher abstrakte Diskussion war.

Das lässt einen normalen Menschen eigentlich sein Leben lang nicht mehr los.
Insbesondere die Frage: Was waren das für Menschen, die anderen so etwas antun konnten?
Eine richtig befriedigende Antwort hat bis heute niemand darauf gefunden, bis auf: Es waren Leute wie du und ich. Der ehemals nette Nachbar von nebenan hat plötzlich Menschen vergast und fand das auch ok so.

Und was hat das alles mit heute zu tun?

Nun, auch die Nazis haben nicht am Tag eins Menschen Vergast, sondern sie haben Stück für Stück eine Stimmung erzeugt, die das später möglich gemacht hat.
Stück für Stück haben sie Ablehnung und Diskriminierung von Religionen und einzelnen Volksgruppen erzeugt und die Bevölkerung damit geimpft.

Und dies ist die Gefahr, die ich heute auch bei uns sehe. Ich befürchte nicht, dass wir wieder KZ’s bauen und Menschen millionenfach in den Tod schicken, denn dann würde uns hoffentlich vorher die Weltgemeinschaft zurück in die Steinzeit bomben, aber ich befürchte, dass Diskriminierung und dumpfe, unreflektierte Ablehnung von Volksgruppen und Religionsgemeinschaften dazu führt, dass es der Mehrheit bestenfalls eben egal ist, was mit anderen Volksgruppen und Religionen irgendwo auf der Welt passiert. Egal ob bei uns oder weit weg. Und schlimmstenfalls sind sie nicht mehr gleichwertig. Es macht dann eben einen Unterschied, ob einem von uns oder denen etwas widerfährt…
Es sind doch dann nur „die“.

Und wir sind auf dem Weg in diese Geisteshaltung, bzw. wir ringen in Deutschland um die richtige Haltung:
Im Schatten von berechtigten Sorgen und Politikverdrossenheit stehen Woche um Woche braune Rattenfänger nicht nur in Hameln auf der Straße, sondern in der ganzen Republik und flöten uns die Sorge um unsere Kinder und Frauen angesichts der Bedrohung durch den Islam um die Ohren.

Aus Flüchtlingen werden Wirtschaftskriminelle, die uns aussaugen wollen und an den Grundfesten unserer Gesellschaft nagen.
Und ihre Saat trägt erschreckende Früchte:

  • Seit Jahren weist der Verfassungsschutzbericht steigende Zahlen bei ausländerfeindlich motivierten Straftaten aus.
  • Besonders perfide: Die steigende Anzahl von Straftaten rund um und gegen Flüchtlingsheime. Gegen die Allerschwächsten also.
  • Die Relativierung von fremdenfeindlichen Parolen mitten in der Gesellschaft. Wo sich Widerspruch erheben sollte, hört man heute oft nur ein fast anklagendes „Man wird doch wohl noch sagen dürfen….“

Und dem gilt es entgegen zu treten!

Das ist es meiner Ansicht nach, was wir aus der Vergangenheit lernen müssen: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Und das gilt für alle Menschen. Überall.
Meiner Ansicht nach braucht es nicht mehr, als diesen Ansatz, er enthält alles weitere. Wenn wir dies berücksichtigen, werden wir irgendwann vielleicht gemeinsam gegen alle Formen des Extremismus vorgehen und mit allen  Volksgruppen und Religionen friedlich und gleichwertig gemeinsam in einem Land leben. Das wird nicht immer frei von Konflikten sein, aber unter Berücksichtigung dieses Leitsatzes werden sie vernünftig beigelegt.

Und deshalb müssen wir auch heute noch den Kindern Ausschwitz nahe bringen. Es muss jedem klar sein, was aus einer kleinen unbedeutenden dummen Bewegung mit dummen Menschen damals geworden ist: Das größte jemals von Menschen hervorgebrachte Grauen.

 

Bildquelle: © Michael Werner Nickel  / pixelio.de

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