Die Bilder im Kopf

eiffelturmSicherlich hat dieser Tage jeder so seine eigenen Bilder und Gedanken im Kopf, wenn er an Paris und die Terroranschläge denkt.
Jeder hat so seine eigene Meinung, was wir jetzt tun sollten und was nicht.

Mir sind zwei Bilder bzw. ein Bild und ein Video besonders hängen geblieben:

Das eine zeigt einen jungen Mann, gutaussehend, aus vollem Herzen lachend, winkend, mit fröhlichen Augen. Er wirkt rundum glücklich und ausgelassen, so dass ich dachte: Der könnte auch beim Eishockey neben Dir stehen und wir würden zusammen ein Bier trinken und zusammen richtig abfeiern.
Leider steht er oben auf einem Panzer, hat rechts eine Kalaschnikow in der Hand und links eine Fahne vom IS.
Der Artikel unter dem Bild beschreibt ihn als eine wichtige Figur im IS, verantwortlich für grausame Gräuelakte.
Wieder frage ich mich, wie kann es dahin kommen, dass jemand ganz offensichtlich so ausgelassen und rundum fröhlich ist, so ein Monster sein kann..

Wohl, weil er kein Monster ist, sondern ein Mensch.

Er ist ein indoktrinierter und konditionierter Mensch, der zutiefst von der Richtigkeit seines Handelns überzeugt  ist.
Es ist das gleiche Prinzip, das man auch bei Aufsehern  in Auschwitz und anderen Terroristen festgestellt hat.
Die Indoktrinierung bewirkt eine komplette Entmenschlichung der Feinde oder der vermeidlichen Feinde.
Also uns.
Indem man ihnen beibringt, dass wir keine Menschen sind, sondern irgendetwas anderes, kann man uns töten und massakrieren ohne jede Gewissenbisse und trotzdem weinen, wenn der “Waffenbruder” getötet wird. (wer hat schon Gewissenbisse eine Mücke oder anderes Ungeziefer zu töten…)
Dieses Phänomen ist recht gut untersucht und findet sich wie gesagt, von Ausschwitz bis heute immer wieder.

Und deshalb, kann er lachen und fröhlich sein: Er ist ein Mensch und tut nichts falsches, sondern nur richtiges und wird seinen Lohn  dafür erhalten glaubt er….

Für mich ist es wichtig sich das vor Augen zu halten!
Es sind keine Monster, die uns töten wollen, sondern Menschen, deren moralische Denkstruktur komplett umgedreht, zerstört wurde.
Es gibt keine Gemeinsamkeit mehr im Denken zwischen ihnen und uns. Es gibt keine Kategorie der Moral oder Logik, mit der wir sie erreichen könnten…

Das Zweite, was hängen geblieben ist, ist dieses Video.
Schaut es Euch an. Ich denke das englisch in den Untertiteln kann jeder verstehen.

http://www.spiegel.de/panorama/terroranschlaege-in-paris-interview-mit-vater-und-sohn-a-1063198.html

Zuerst denkt man ja spontan: Ganz süß, aber was ein Hippie-Scheiß oder?
Was sollen Blumen schon gegen Pistolen ausrichten…

Aber ich habe es für mich anders gedeutet:
Dieser Vater erklärt seinem Sohn, dass es die Blumen sind, die am Ende gewinnen werden. Das es die Blumen sind, die unser Leben erst schön machen.

Und diese Blumen sind für mich ein Bild für unsere Freiheit:
Unsere Freiheit zu glauben oder nichtglauben, was wir wollen.
Die Freiheit einen Gott zu haben, die Freiheit 20 Götter zu haben oder eben auch keinen.
Zu lieben, wen wir wollen.
Zu sagen und zu denken, was wir wollen.
Sie sind schlicht das Bild für eine freie säkulare Welt.

Und er sagt seinem Sohn, dass diese Welt die lebenswertere ist und am Ende gewinnen wird.
Ich finde, wenn man es so sieht, nicht nur rührend sondern bewegend!

Bleibt die Frage: Wie wehren wir uns?

Ich habe keine Antwort.
Ich glaube nur, dass noch mehr Krieg und Gewalt uns letztlich nicht helfen wird.
Die USA versucht seit 9/11 den Terror wegzubomben und es funktioniert nicht. Er gebiert immer wieder neue Köpfe einer Hydra gleich..
Persönlich glaube ich, dass man die Lehrer, die Indoktrinierer finden und ausschalten  muss. Die, die aus jungen Männern Tötungsmaschinen machen. Aus Deutschland ist nach dem dritten Reich auch eine zivilisierte Gesellschaft geworden, nachdem die Nazi-Propagandisten weg waren und die schlimmsten Verführer aufgehängt waren.

Darf man sie töten? Soll man sie töten?
Wenn wir sie nicht fangen können, dann glaube ich schon.
(An sich schon eine entsetzliche Denkweise…)

Und wir müssen die Potentiale entschärfen:
Aus sozialer Ungerechtigkeit, Not und Ausgrenzung ist schon immer nur Gewalt hervorgegangen.
Diese Potentiale zu beseitigen ist wohl die schwierigste und langwierigste Aufgabe.
Aber wenn wir diese Aufgabe nicht lösen, werden wir das Problem nie beseitigen können!

Aber wie finden wir die Indoktrinierer  und die Gewaltbereiten?
Ich kann mir nichts anderes Vorstellen, als Geheimdienstarbeit und Überwachungsmethoden:
Waffen kosten Geld und Geldflüsse kann man nachvollziehen.
Koordinierte Anschläge erfordern Abstimmung und Kommunikation lässt sich überwachen und auswerten.
Es lassen sich Muster finden, die Handlungsoptionen bieten.

Dabei drängt sich mir aber recht schnell ein Zitat von Benjamin Franklin auf:

Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.

Wie viel unserer Freiheit sollen wir, müssen wir aufgeben, um uns wehren zu können??
Wann lassen wir selbst die Blumen, um im Bild zu bleiben, verdorren?

Auch dafür habe ich keine Antwort für mich bisher gefunden.
Nur in einem bin ich mir sicher:
Wir dürfen niemandem folgen, der einfache Lösungen anbietet!
Diese einfachen Lösungen haben eines gemeinsam:
Sie folgen dem Gedankenmuster des Jungen Mannes vom ersten Bild und sorgen dafür, dass wir die Blumen aus dem zweiten Bild damit selber abschneiden!

Es bleibt schwierig!

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