Gott verdammt

Heut musst ich unverhofft an meinen Vater denken.

komisch, irgendwie hab ich daran gedacht wie er gestorben ist und hab versucht herauszukriegen, in welchem Jahr das jetzt noch mal war….

Nach einigem Rechnen bin ich dann auch drauf gekommen, aber es war nicht einfach. Dann hab’ ich überlegt, was dass jetzt über mich aussagt, dass ich nicht mal das Jahr auf Abruf kenne, in dem mein Vater gestorben ist. Erst dachte ich dass das ja wohl ein ganz schön erbärmliches Bild abgibt und vielleicht ist das am Ende ja auch so.

Aber dann habe ich mich an meinen Vater erinnert und wusste, er würde es verstehen!

Irgendwie ist er nicht wirklich tot! Ich glaube ja an den Spruch, nach dem Menschen erst wirklich sterben, wenn sich niemand mehr an sie erinnert! Meinetwegen quatsch, mir egal.

Jedenfalls musste ich unverhofft an die gewaltigen Auseinandersetzungen denken, die wir früher hatten, wo ich nie verstehen konnte, was  er von mir wollte. Er war ein solcher Spießer: arbeiten, vorausschauende Planungn etc etc etc.

Er war Abteilungsleiter einer It-Abteilung, heute würde man CIO sagen, ich bin heute Abteilungsleiter einer IT-Abteilung……

Schon komisch, wie weit ich von meiner Familie weg bin, wenn es um ihn geht. Für sie ist er eine Art Universalheiliger, der tot ist, für mich ein Mensch der im mir lebt.

Er war ein echter Intellektueller, nicht son dummer Schwätzer, sondern jemand, mit dem man sich bis aufs Messer streiten konnte. Er hat oft Recht gehabt und genauso oft Unrecht. Der Unterschied zu meiner Familie und mir ist, dass ich mich heute noch mit ihm streite:

Wenn wichtige Entscheidungen in meinem Leben anstehen, dann streite ich mich mit ihm. Und das genauso heftig wie früher. Und wie früher nimmt er den den Gegenpol zu meiner emotionalen Seit ein. Er ist der kühle intellektuelle Kontrapunkt zu meinen heißblütigen Argumenten. Und genau wie früher verfluche ich ihn für seine kühle, sachliche, kaum zu widerlegende Argumentation.

Natürlich weiß ich dass er tot ist und alle Diskussionen, die ich mit ihm führe, Diskussionen sind, die er mir in seinem Leben eingepflanzt hat, aber grad heute musste ich darüber nachdenken , was ein tolles Erbe das doch ist.

Einst wollt’ ich
nie
werden wie Du
Letztlich fand ich mich
dabei
in Deinen Schatten zu treten
zu schaun
wo ich wohl noch
wachsen
müsst

-Markus-

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Ein Gedanke zu „Gott verdammt

  1. Mmmmm das aber echt schön geschrieben!! Ich will schon sein wie seine Eltern…mittlerweile bin ich auf dem Stand das meine Ellis sooo viel nicht falsch gemacht haben können, und das ganz viele Sachen einfach nur richtig waren! :D

    Ich darf mich glücklich schätzen noch beide Elternteile zu haben. (Auch wenn mein Dad gekonnt versucht mit hilfe von Alkohol eben dies zu verkürzen!) Aber fehlerfrei ist ja bekanntlich niemand.

    Lieben Gruss
    Marny

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