Weil’s nicht in 140 Zeichen passt..

Hallo Frau @antje 69. Kennst Du das: Da liest man etwas und es schwirrt einem im Kopf herum?
So ging es mir, als ich bei Twitter dieses Statement von Dir gelesen habe. Erst dachte ich mir nee, da bin ich anderer Meinung und damit wars das. Aber irgendwie hat es mich dann doch beschäftigt, deshalb hab ich heut morgen im Zug das Netbook rausgekramt und das hier aufgeschrieben.

Ich gebe @christheisen zum Teil recht, Twitter ist zum großen Teil ein rein oberflächliches Netzwerk. Man darf nicht unbedingt erwarten,hier Menschen wirklich kennen zu lernen.
Aber es passiert trotzdem manchmal.
Was ich für grundfalsch halte, ist seine Ausgangsannahme zu Twitter: Er erwartet zu viel davon. Es ist und war nie konzipiert als eine Plattform um echte enge persönliche Kontakte zu knüpfen. Dass es doch passiert, ist ein schöner Nebeneffekt und rührt meiner Meinung nach unter anderem daher, dass viele Leute Twitter wie eine Art Instant Chat benutzen. So mache ich es zum Beispiel….

Auch ich bin hier schon, wie Du, beleidigt worden. Aber ich glaube, dass liegt in der Natur des Mediums und unterscheidet sich nicht von ICQ und ähnlichen Programmen. Hier kann sich jeder hinter einem Fantasienamen und Fantasieavatar verstecken und kann dann frei von der Leber weg ein Leben führen, dass er im echten Leben nie haben kann. Er kann der Großkotz, der Schlaumeier oder was auch immer, sein. Dagegen lässt sich nichts machen. Ich denke wie gesagt, dass dies in der Natur der Sache liegt.

Ich muss widersprechen, wenn es heißt, Leute würden nicht vermisst. Ich kann nicht für alle sprechen, aber ich habe, wenn auch wenige, Leute in meiner Timeline, die ich wirklich vermissen würde. Sie gehören zwar nicht zu meinem Real Life, aber doch irgendwie mittlerweile dazu.
Dann gibt es ja auch so komische Konstellationen, dass ich manche Leute als 2.0 Freunde bezeichnen würde und sie im Real Life Bekannte sind. Es findet also eine Verschmischung statt, wenn auch in eher kleinem Maße.
Ich hatte bislang das Glück nur Leute aus der 2.0 Welt im echten Leben kennen zu lernen, die ich als eine Bereicherung empfunden habe. Aber auch manche der 2.0 Freunde, die ich vielleicht gar nicht unbedingt kennen lernen möchte weil ich sie für Kunstfiguren halte, bereichern mein Leben.

Aber Stand heute würde ich sagen: wenn ca 10 –15 Leute aus meiner Timeline verschwinden würden, dann würde ich vielleicht auch von Twitter verschwinden, weil es ohne sie nicht das selbe wäre.

Was ich eigentlich sagen will ist, ich habe eine andere Grundeinstellung zu der Sache: Es ist kein Ersatz für das echte Leben, aber richtig eingesetzt bereichert es das echte Leben ! Ich erlebe es in erster Linie als eine Plattform, um lose Bekanntschaften zu pflegen, einige davon zu vertiefen und manche ins echte Leben hinüber zu nehmen.

So, das waren nun deutlich mehr als 140 Zeichen…..

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5 Gedanken zu „Weil’s nicht in 140 Zeichen passt..

  1. Lieber Markus,

    Du hast es ziemlich genau auf den Punkt gebracht, was ich meinte, als ich zu @ChrisTheisen sagte, daß ich einen völlig anderen Ansatz habe.
    Mir nimmt Twitter keine Lebenszeit weg, die ich ansonsten mit realen Menschen verbracht hätte. Mir nimmt es eigentlich nur Fernsehzeit weg. Und das ist in meinen Augen kein Verlust.
    Bei mir ist genau das Gegenteil eingetreten: ich habe bisher ein eher zurückgezogenes Leben geführt und fange jetzt an, mich wieder mehr für andere Menschen zu interessieren. Und durch meine Interesse und dadurch, daß ich angefangen habe, mich auch im RL mit anderen Twitterern zu treffen, kenne ich jetzt mehr Leute als vorher. Und mindestens zwei davon würde ich inzwischen sogar als Freunde bezeichnen.
    Wie Vieles ist auch Twitter das, wozu man es macht. Jeder hat einen anderen Umgang, der sicher stark von der eigenen Einstellung und der eigenen Lebensweise abhängt.
    Mit einem hat Chris aber sicher recht: man darf es nicht zu persönlich nehmen, was da zum Teil so abläuft. Eine gewisse Distanz zum Großteil der Leute dort – vor allem zu denen, die man nicht persönlich kennt – ist sicher nicht so verkehrt.
    Trotzdem gibt es natürlich auch bei mir welche, die ich nicht missen möchte. Und Du gehörst sicherlich dazu.

    Virtuelle Grüße von Susanne

  2. Mit steckt eigentlich noch dein OS-User-Post in den Knochen, aber hier hast du Recht.

    Mir kommt das Twitter-ist-mir-zu-oberflächlich-Geseiere mancher Leute in etwa so vor, wie der Kerl der in den Puff geht und sich hinterher beschwert, dass ihn die Schlampe nicht liebt. Twitter ist ein Informationsdienst. Diese Information kann interessant, witzig, bewegend oder eben auch übertrieben, belanglos oder was auch immer sein. Es ist wie eine Cocktailparty, auf der man unterschiedliche Menschen trifft – von interessant bis langweilig. Sie kommen und gehen und die wenigsten wird man in Erinnerung behalten, bis auf einige wenige.

    Genauso lächerlich ist die Unterscheidung zwischen online- und offline-Kontakten. Du gehst in den Laden und kaufst eine CD – und erwartest nicht, dass der Künstler bei dir im Wohnzimmer auftritt. Aber wenn dir die CD gefällt, gehst du vielleicht ins Konzert. Ich habe über Twitter interessante Leute kennengelernt , sowohl privat als auch geschäftlich, ich stimme Susanne zu, dass Web 2.0 mein Leben bereichert hat. Insgesamt.

    Wie man sieht, hat @christheisen seinen Laden ja doch noch nicht zu gemacht – oder sein virtuelles Sterben zieht sich noch etwas. Vielleicht ändert er auch einfach seine Erwartungshaltung und lernt das Medium so zu nutzen, wie es gedacht ist.

  3. Hallo Markus,
    hallo Susanne,

    ihr habt das sehr schön beschrieben und ich gebe euch Recht.

    Mein Entschluß stand auch schon länger fest. Einerseits, weil sich schon nette Twitter-Freunde zurückgezogen hatten, andererseits weil meine Art und Weise anscheinend auch andere verletzt hat. Den Hut ziehe ich mir gerne an. Aber am wichtigsten ist mir nach wie vor, meine Zeitprioritäten anders zu setzen.

    Ich weiß aus vielen DMs, dass Twitter anderern auch hilft, aus einer Isolation herauszukommen. Aber man muss dran denken, dass Twitter selbst auch nur virtuell ist. Es kann den Anstoß geben, der nächste Schritt ist dann, im richtigen Leben ebenfalls wieder Beziehungen einzugehen.

    Wie gesagt, es ist rein subjektiv.

    Liebe Grüße
    Chris

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