Das nervt

Bei der aktuellen Diskussion um das neue Gesetz zur Sperrung von Internetseiten die Kinderpornografischen Inhalt haben, stelle ich mal wieder fest, dass anscheinend jeder genau weiß, was falsch und was richtig ist.
Das gilt für die Befürworter dieses Gesetzes, als auch dessen Gegner.

Nur irgendwie geht es mir so, dass ich mir eben nicht so sicher bin.  Wie bei so vielen anderen Themen auch, versuche ich mir ein möglichst umfassendes Bild zu machen und stelle dabei mal wieder in den meisten Beiträgen, die ich irgendwo lese, fest, dass es hier mehr oder weniger nur darum geht, den Andersmeinenden zu diffamieren:
Die Befürworter unterstellen den Gegner unterschwellig, sie wollen nichts gegen den Schmutz im Internet tun und würden die Freiheit des Internet höher schätzen, als den Schutz der Kinder.
Die Gegner unterstellen den Befürworten gerne, sie wollten ein universelles Überwachungssystem einführen, welches implizit den Anfang vom Ende unserer Freiheit bedeutet.

Ich habe mal wieder den Eindruck, dass wir solche Diskussion viel zu viel den Ideologen überlassen.
Diese Ideologen zeichnen sich für mich dadurch aus, dass  sie in erster Linie nur Schwarz Weiß denken können: Also entweder bist Du auf unserer Seite oder du bist eine Art Feind.

Und das nervt.

Meine Gedanken -und auch Streitkultur ist eine andere!
Das Schlimme dabei: Diese Form der Diskussion nimmt zu! Egal ob wir darüber nachdenken, ob muslimische Lehrerinnen ein Kopftuch bei der Arbeit tragen dürfen oder nicht, ob wir muslimische Gotteshäuser in unseren Städten haben wollen oder nicht, ob wir eine Reichensteuer brauchen oder nicht und so weiter und so weiter. All diese Diskussionen werden derart ideologisch geführt, dass man immer nur einen Schritt davon entfernt ist, ein Ausländerhasser oder Gehilfe der Taliban zu sein, Ruck-Zuck ist man ein Vernichter der Eliten oder ein gewissenloser Schmarotzer.

Wie gesagt: Das nervt.

Dieses Niveau kann ich auch aus der Bildzeitung haben. Die macht es zwar auf einem noch niedrigeren Level, aber das Prinzip ist das gleiche: Entweder du teilst unsere Meinung oder du bist schlicht ein Idiot, der nichts kapiert hat.

Und warum schreibe ich dies hier nun auf? Nun schlicht und ergreifend weil es mich nervt. Ich weiß, dass da draußen viele Leute sind, die noch versuchen Themen von allen Seiten zu beleuchten, bevor sie sich ein Urteil bilden.
Und ich bin einfach nicht bereit, mich von irgendwelchen Schlaufüchsen mit ihren Parolen (und genau das sind es nämlich im Regelfall : Parolen) in irgend eine Ecke stellen zu lassen, weil sie meinen, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen.

Lasst Euch sagen: Das habt Ihr nicht!

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7 Gedanken zu „Das nervt

  1. Hi Lucky,

    in weiten Zügen bin ich bei dir. Z.B. was das nervende BW Malen anbelangt.

    Unabhängig davon habe ich die Petition zum Thema Blacklist in Verbindung mit Kinderpornografischem Inhalt gezeichnet.
    Weil auch da finde ich werden Ursache und Wirkung gerne falsch verstanden. Und mündiger Bürger zu sein heißt nicht alles machen zu dürfen genau so wie Verbrechensprävention nicht heißt alles ausschließen zu dürfen.

    Doch das wir drüber reden und uns kritisch mit diesen Inhalten auseinander setzen, ein Zeichen setzen und, ja, politisch aktiv werden stimmt mich positiv.

    Reden ist nicht immer nur Silber und zustimmendes, unkritisches Schweigen schon lange kein Gold mehr.

    in diesem Sinne :-)
    DasBiesel

  2. @Riebiesel:
    Ich habe sie auch gezeichnet, allerdings letztlich nur aus einem Grunde: Es darf in einer Demokratie nie so sein, dass eine Gewalt (hier BKA) etwas macht (eine Liste erstellen) und dabei nicht von einer anderen Gewalt (Parlament) kontrolliert wird.
    Dieser Ansatz ist meiner Ansicht nach zutiefst undemokratisch und nicht verträglich mit meiner Vorstellung von Freihheit.
    Hätten sie das anders geregelt, wäre ich für die Zenzur gewesen.

  3. Hm, das sehe ich in diesem Fall aber ganz genau anders. Tatsächlich legen die Befürworter des Gesetzes exakt das von Dir beschriebene Verhalten an den Tag (Zwischenruf im Bundestag: „Sind Sie dafür oder dagegen?!“). Die Kritiker – zu denen ich mich zähle – sagen doch substantiell gegen „die Sache“ gar nichts. Es wird das System kritisiert. Und dass man mit dem Sperrmechanismus eben ganz einfach auch andere Seiten sperren kann (und dies in anderen Ländern auch gemacht wird) ist nun keine Phantasie, sondern eine schlichte Tatsache.

    Und wenn Du Dich wirklich umfasend informierst, dann müsstest Du eigentlich auch schon die Rufe der Content-Industrie nach der Mitnutzung der DNS-Sperren gehört haben. Es ist also mitnichten schnöde schwarz-weiß Malerei, sonder pragmatischer Realismus … leider.

  4. @Andreas:
    Danke für Deinen Kommentar. Ein prima Beispiel für meinen kleinen Artikel:
    Zitat:“Und wenn Du Dich wirklich umfasend informierst[..]“
    Tja, ich habe halt nicht richtig nachgedacht Du anscheinend schon. Damit muss ich dann wohl leben.
    Wollte eigentlich was anderes hier zum Ausdruck bringen, aber da ich sprachlich nicht der beste bin, ist das wohl nicht gelungen.

    Viele Grüße
    Markus

  5. Nun, es scheint, ich habe Dich falsch verstanden. Ich dachte tatsächlich, Dich nervt die Pro/Contra Internet-Sperren Diskussion bzw. das Niveau derselben. Nach zweimaligem Lesen glaube ich verstanden zu haben, was Du meinst: Nein, ich glaube nicht, ich hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen. Und nein, ich lasse mich auch nicht von Leuten in gewisse Ecken drängen, obwohl das gerade von Politikern gerne gemacht wird.

    Das Du nicht richtig nachgedacht hast, habe ich aber doch gar nicht geschrieben. Ich bezog mich auf Dein „Wie bei so vielen anderen Themen auch, versuche ich mir ein möglichst umfassendes Bild zu machen“ und hatte halt den Rest falsch verstanden, so dass ich dachte Du meinst die Sperrdiskussion.

  6. Okay, dir scheint es ums Prinzip zu gehen. Und in der Hinsicht hast du recht, es wird sehr emotional argumentiert. Bei der Pornografiesache vor allem auf der Seite der Befürworter, die mit schlimmen Bildern und verdrehten oder unterschlagenen Fakten Stimmung machen und auf der Seite der Gegner mit Horrorvisionen eines Überwachungsstaates.
    Dass die Tendenz zu immer mehr Emotionalität wandert ist eindeutig zu sehen. Man muss sich aber auch fragen wie man einer emotionalen Seite entgegentritt. Meistens bringt einem Sachlichkeit leider auch nichts…deswegen kommt man in eine Zwickmühle. Ein schweres Thema, das muss man sagen…

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