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Darüber lacht man nicht…

BlindenbindeVor einiger Zeit bei Twitter: Marco Zehe twittert sinngemäß, dass ein 12 Zoll Macintosh doch eigentlich Verschwendung für jemanden wie ihn sei.
Dazu muss man wissen, dass Marco blind ist….
Ich konnte jedenfalls nicht so recht darüber lachen, weil da irgendwas in mir meinte: Über sowas lacht man nicht……

Aber wieso eigentlich nicht? Ich meine, er hat den Joke gemacht, nicht ich, aber trotzdem, war da so eine Art Reflex, der verhindert hat, dass ich darüber gelacht habe.
Das habe ich Marco dann auch geschrieben, um sogleich kräftig auf die Schippe genommen zu werden, von wegen, er wollte mich natürlich nicht in Verlegenheit bringen und so. Naja, hatte es wohl irgendwie auch verdient….

Wie es dann eben manchmal so ist, irgendwie habe ich danach oft daran denken müssen und mich gefragt, wo diese Reflexe wohl herkommen mögen.

Ich habe keine wirkliche Erklärung gefunden, außer vielleicht den Satz: Darüber lacht man nicht.

Natürlich lacht man nicht über die Behinderung eines Menschen, aber wenn er selber Witze darüber macht, ist dass dann nicht ein mit ihm lachen? Aber eigentlich lacht man dann im Grunde dann doch wieder über die Behinderung.
Unschwer zu erkennen: Ich drehe mich im Kreis…..

Irgendwie, weiß gar nicht genau warum, kam mir diese Geschichte immer wieder hoch. Sie drehte sich sich so ein wenig in den Hintergrundgedanken.
Und so fand ich noch mehr darüber lacht man nicht:

Jeder kennt doch diese Witze, die Anfangen mit War ein Deutscher, Engländer, Italiener und so weiter und so weiter… Es diese Art von Witzen, die versuchen die Eigenschaften der Menschen aus diesen Ländern etwas übertrieben auf die Schippe zu nehmen. Ich kenne jetzt keinen Witz, in dem ein Türke vorkommt. Türkenwitze macht man nicht.

Oder es gibt doch viele Witze über die Kirche, den Papst und so weiter. Ich kenne keinen einzigen, in dem ein Jude vorkommt….

Wo mag das herkommen?

Ein Komödiant, leider weiß ich nicht mehr wer, hat einmal gesagt, wenn ich über bestimmte Gruppe keine Witze mache, ist das doch der erste Schritt zu Ausgrenzung oder nicht?

Und obwohl ich diesen Satz für absolut richtig halte, könnte ich heute nie einen Witz auf Kosten von Behinderten, Ausländern oder Juden machen, ohne innerlich zu meinen, dass es falsch ist, was ich tue.
Damit ich hier nicht falsch verstanden werde, ich meine die Art von Witz, die nicht herabsetzend oder beleidigend ist!

Ob man mir das anerzogen hat? Darüber lacht man nicht, Guck da nicht so hin etc. etc…

Ob das was zu tun hat mit dem übertrieben Versuch von  Korrektheit?

Ein Beispiel:
Wer soviel Bahn fährt wie ich, kommt zwangsläufig in Situationen, wo er Blinden aus dem Zug oder in den Zug hilft. Für mich jedes mal ein Angang, weil ich nie weiß, frag ich ihn jetzt ob er Hilfe braucht, oder mach ich mich nur bemerkbar, damit er mich fragen kann, wenn er es für nötig hält. Meistens geht dann Irgendwer gänzlich unbefangen auf ihn zu und hilft ihm. Es sind halt so Überlegungen wie: Wenn ich ihn frage, signalisiere ich ihm damit nicht, dass ich denke, dass er alleine eh nicht zurechtkommt?!

Wisst Ihr was ich meine? Schwachsinn oder?

Anderes Beispiel:
Während ich dies hier schreibe, stelle ich fest, dass ich krampfhaft versuche das Wort Behinderter zu umgehen. Eigentlich ist es doch ein wertfreier beschreibender Begriff oder nicht. Latent habe ich aber das Gefühl, jemanden damit herabzusetzen.

Da ließe sich sicherlich noch mehr finden, aber ich denke, Ihr versteht, was ich sagen will oder?

Mich würde nun interessieren, ob es Euch ähnlich geht und vielleicht noch mehr, wie ich als Hammel dann so auf die Betroffen wirke. Was denken die sich?

Daher würde ich gerne einen oder mehre Betroffenen einladen einen Gastbeitrag hier zu diesem Thema aus seiner Sicht zu schreiben. Ich fände es echt gut wenn sich jemand finden würde. Meldet Euch einfach!

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12 Kommentare

  1. Uh, interessantes Thema.
    Leider auch ein schwieriges…

    Ich finde man “darf” durchaus Witze über Behinderte, Nationalitäten, Religionen, uws. machen. Wichtig ist, dass die, über die man dann lacht dann auch mitlachen können.
    Was gar nicht geht: Sich über die Behinderung (oder Religion, oder sonstwas) lustig machen.
    “Was glaubst du wie lange der Blinde rumstolperte, bis er mal den Weg zum Zug gefunden hat” oder so.

    Bin btw. auch der Meinung, dass man durchaus Hitlerwitze machen darf. Oder über Nazis allgemein.
    Hab da mal ne sehr schöne Doku über Hitlerwitze im 3. Reich gesehen… konnte herrlich lachen :)
    Empfehlung hierzu: Serdar Somuncu liest aus “Mein Kampf”

    Also man muss halt abwägen… nur bei Nazis ist es mir egal ob die auch mitlachen können.

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  2. Also ich sage nur: Normalisierungsprinzip.

    Übergroße Vorsicht ist meiner Meinung nach nicht geboten im Umgang mit Behinderten. Hilft denen nicht, hilft mir nicht. Genauso wenig Mitleid oder ähnliches…

    Während meines Zivis habe ich das immer wieder von den Behinderten selbst gehört und der politisch korrekte Quatsch wurde mir quasi wieder aberzogen. Die dreckigsten Behindertenwitze haben meistens die Behinderten gemacht.

    Wenn mich ein Behinderter anrülpst, dann muss ich das nicht hinnehmen, sondern dann kann ich ihn genauso zusammenfalten, wie einen “Normalo”. Gleiches gilt für Witze.

    Bei Juden etc. sehe ich das ähnlich, aber da ist die Schamgrenze der Gesellschaft noch größer, so dass ich mir die meisten Sachen dann doch verkneife. Komisch, oder? Vielleicht reiner Selbstschutz…

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  3. Ich kenne ehrlich gesagt nur einen Blinden – und den auch noch Persönlich; Marco! Und ich muss sagen das ich das gut finde wie er mit seiner Blindheit (ich versuche gerade auch Behinderung zu vermeiden) umgeht.
    Marco geht zum teil so witzig damit um das ich mich manchmal fast totlache… Trotzdem fällt es mir schwer selbst darüber Witze zu machen – blöd eigentlich, denn ich denke Marco hätte Spaß dran ;)

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  4. Als “Verursacher” dieses Blogeintrages und weil Du so direkt fragst, Markus, mal eine ganz direkte Antwort: Fragen kostet nichts. Ungefragt eingreifen und den Blinden irgendwohin zerren ist völlig daneben. Aber fragen, ob Du helfen kannst, wird Dir niemand übelnehmen. Dabei ist dann ein “Nein danke, ich komme zurecht” nicht als Zurückweisung gemeint, sondern genau als das, was gesagt wurde. Hierzu folgendes: In meiner Jugend ist es mir ein paarmal passiert, dass mich ältere Leute ungefragt mitgezogen haben, wenn ich an einer Ampel stand und diese grün wurde. Ich habe mich jedes Mal zu Tode erschrocken, wenn mir das passiert ist und habe grundsätzlich dagegengehalten. Vielleicht mochten es die Kriegsblinden so, ich mochte es nicht. Je mehr dieser älteren Leute dann aber auf natürliche Weise von uns gingen, desto weniger passierte mir das.

    Das “Fragen kost’ nix” gilt übrigens auch für Rollifahrer oder sogar für die Mutter mit Kinderwagen, die ein Hindernis überwinden muss. Da besteht nicht wirklich ein Unterschied.

    Viele Grüße aus Hamburg!

    P.S. Es war ein 27″ iMac. Mit Kleinigkeiten geb’ ich mich doch nicht ab. :))))))

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  5. Eine Anekdote zu dem Thema:

    Eine Freundin von mir ist ebenfalls blind. Als ich das erstemal bei ihr auf einer Geburtstagsparty war, standen wir in der Küche um einen Tisch herum und sie hatte ihre zwei Gläser (jaja… eins hat nicht gereicht) vor sich stehen. Sie war kurz abgelenkt und ihr bester (übrigens sehender) Freund hat die zwei Gläser heimlich woanders hin gestellt… Mir ist fast der Bissen im Halse stecken geblieben, denn bevor ich was sagen konnte hat sie eben nach ihren Gläsern getastet und danach gesucht. Sie ist dann aber in lautes Lachen ausgebrochen, hat den neben sich stehenden besten Freund in die Seite geboxt und nach ihren Gläsern verlangt und ihn lautstark zusammen gefaltet.

    Mittlerweile gehe ich entspannter mit dem Thema um – hab aber heute morgen ebenfalls einen Blog kommentiert um dem es auch um das Thema Behinderung ging und habe mich da auch ertappt dass ich versucht habe das Wort behindert zu vermeiden. Aber Menschen mit Handicap oder Einschränkung hört sich doch genauso an. Es ist einfach eine Bezeichnung – und von mir verwendet auch völlig wertfrei.

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  6. Hi Markus, hi Vorredner,

    wird ja richtig voll hier! Finde ich gut!!

    Ich mag mich der Aussage von Nohype anschließen. Vieles ist dem fehlenden Umgang anheim zu schreiben. Das gilt für Menschen mit Behinderung im gleichen Maße wie für andere Glaubensgruppen oder Menschen mit anderer Hautfarbe.
    Aber Umganag muß man oft selber erst suchen um sich selber ein eigenes Bild davon machen zu können was geht, was nicht geht und wo man übermitteltes Wissen besser mal ganz schnell über Bord wirft.

    Umgang mit geistig behinderten Mitmenschen habe ich nicht zuletzt auch durch meinen Zivildienst sammeln können. Auch die Erfahrung das Blinde urplötzlich mitten in der Nacht in einem stockdunkelem Flur ohne Vorwarnung auf dich zukommen können habe ich da sammeln dürfen. Und ich habe mich dabei mächtig erschrocken!

    Unter dem Strich sind wir alle Menschen.

    Und gerade jetzt sammele ich die Erfahrung das Polen die fiesesten Polenwitze machen und das Italiener nicht wirklich den besten Kaffee kochen können.
    Was aber unumstritten ist! Niederländer können weder Rad- noch Autofahren. :evil:

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  7. Ich habe schon viel mit menschen mit Handicap als Physiotherapeutin gearbeitet und kenne den derben Umgangston untereinander. Auch ist ein Freund von mir Rolli, der hat sich im Studium mit einem Blinden den heftigsten Schlagabtausch gemacht (so á la “Ey Krüppel…”). da muss man natürlich schon als Nicht-Gehandicapter etwas vorsichtig sein und den Betroffenen gut oder zumindest näher kennen. Aber Witze müssen doch sein, vor allem wenn man sich gut kennt.
    Ich kenne übrigens auch Juden- und Türkenwitze. Auch über Frauen- und Blondinenwitze kann ich lachen. Letztendlich hat doch jeder ein Handicap, das eine auffälliger, das andere weniger. Man muss auch über sich selbst und seine Schwächen lachen können. Lachen ist gesund! :D

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  8. Dier meisten oder gar alle Behinderte haebn keine Probleme mit derarten Witzen.

    Die meisten haben Probleme damit wenn sie wegen ihrer Behinderung auf ein “Podest” gestellt werden und als Supermensch dagestellt werden. Das ist eine Diskriminierung einer anderen Art und Weise.
    Ein Ehrenstigma.

    So habe ich es damals in der Fachschule für Heilerziehungspflege gelernt.
    Und so ist es wie gesagt in der Regel auch.

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  9. @der sema bin grundsätzlich bei Dir, hab aber so meine Probleme mit Hitlerwitzen…

    @Steffi @riebiesel @Pooly @Olli @Marleen Ich denke Ihr habt recht, dass Normalität mit der “Gewöhnung” sprich dem Umgang kommt.

    @riebiesel Italiener machen definitiv den besten Kaffee!!

    @Marco Werde mich bemühen :-) Übrigens ein 27” Mac ist definitiv
    selbst für Sehende zu groß! :wink:

    lg Markus

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  10. Pingback: Warum ein MacBook Air und ein iPad? | Marco Zehe EDV-Beratung

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