Wider dem Vergessen

KZ Auschwitz Heute, dem 27.01.2010 ist die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee genau 65 Jahre her und ich finde ist mal wieder an der Zeit dem Vergessen, Verdrängen und Fertig-damit-sein entgegen zu wirken.

Schlimm genug, dass das dritte Reich für viele heute nur noch Geschichtsstoff aus der Schule ist und nichts weiter, aber wenn wir nicht aufpassen, dann interessiert sich irgendwann niemand mehr dafür.

Was hab’ ich damit zu tun?
Es gibt doch keine Sippenhaft!
Wir haben unsere Schuld abgetragen!
Man muss die Dinge dann auch irgendwann mal Ruhen lassen!

Das sind doch in der Regel die klassischen Kommentare die man heute zu hören bekommt, wenn man auf dieses Thema kommt. Scheint alles doch so weit weg zu sein.
Was es in Wirklichkeit nicht ist, denn die Generation meiner Großeltern waren die Täter…

Was es mir wichtig macht, warum ich soviel darüber lese und mir alle möglichen Dokus angucke sind die Menschen dahinter. Ich weiß sicher, dass die meisten der Täter eben keine psychopathischen Monster waren, sondern eher normale Menschen, eben der nette Nachbar von nebenan.
Man schaue sich doch einfach mal diese Fotos der SS-Mannschaft von Auschwitz an. Die sehen nett und normal aus….

Diese Betrachtungsweise macht zumindest für mich das ganze um so schlimmer, weil sich die Frage aufdrängt, was lässt einen Menschen vergessen, dass er ein Mensch ist und lässt ihn handeln wie es ein Tier niemals tun würde? Eine Frage, auf die wohl bis heute noch niemand eine abschließende Erklärung gefunden hat.
Die Lehre daraus ist aber, dass es immer wieder passieren kann, wenn wir nicht aktiv dagegen arbeiten. Und wir arbeiten zu wenig dagegen!
Und mit wir meine ich mal wieder wirklich uns, nicht unsere Politiker, die außer Reden schwingen doch ohnehin nicht viel tun.
Zivilcourage ist hier gefragt! Also jeder von uns!

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4 Gedanken zu „Wider dem Vergessen

  1. Seltener und deshalb umso interessanterer Beitrag in einem privaten Blog. Chapeau!

    Es ist mittlerweile recht gut untersucht wie Menschen so werden und wie man sie dazu treiben kann. Es sind zwei große Faktoren: 1. Man apelliert an ein höheres Ziel (den Schutz der überlegenen Herrenrasse (damals), heute gerne die Verteidigung des Abendlandes uvm.) und man baut eine Legitimationshülle auf, d.h. es zwar nicht rechtens zu morden, aber im Sinne eines höheren Ziels wird es nicht nur nicht geahndet, sondern sogar belohnt.
    Also moralische Rechtertigung gepaart mit Legitimation, so kriegt man Menschen zu fast allem. Auch heute noch! Ein guter Agitator in einem schwachen Staat hat nach wie vor gute Chancen. Und deswegen freue ich mich über Deinen Beitrag.

  2. es sollte aber auch nicht vergessen werden, dass die großen lager wie auschwitz und birkenau schon monate vorher von den alliierten hätten befreit werden können. und diese das nicht für wichtig genug erachteten, weil es kein militärisch wichtiges ziel war.

    es sollte auch nicht vergessen werden, dass lager wie sachsenhausen beispielsweise nach der befreiung durch die rote armee von selbiger weitergeführt wurden. genauso grausam, genauso tödlich.

    es sollte auch nicht vergessen werden, wieviel leid die befreier der roten armee über den osten gebracht haben. von vertreibung, plünderung, zerstörung und massenvergewaltigung bis hin zum sinnlosen mord von frauen, kindern und greisen.

    das rechtfertigt nicht im geringsten, dass es die lager gegeben hat und auch nicht, dass eine ganze generation systematisch weggeschaut hat. aber es sollte auch nicht vergessen werden.

    das rechtfertigt nicht im geringsten, was in diesen lagern geschehen ist. aber es sollte nicht vergessen werden.

  3. Ich werde immer ein bißchern hellhörig, wenn es um Relativierung geht: "ja, schlim! Aber …" und dann kommen ganz viele Aspekte auf den Tisch (gerne auch mal die Bombadierung Hamburgs und Dresdens), die zur eigentlichen Thematik, nämlich das fabrikmäßige, systematische, extremst menschenverachtende Abschlachten von Millionen von Menschen, entweder nichts beiträgt oder dieses eben relativieren will. Es gibt einfach keinen Vergleich. Punkt. Alles, was die Alliierten und Russen im Rahmen des 2. Weltkriegs gemacht haben, ist losgelöst vom Holocaust zu betrachten. Und nicht in Vergleich und Relativierung.

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