Kurzentschlossen

Bild des Autors: Markus Kennt Ihr diese Momente, in denen man eine Entscheidung innerhalb von wenigen Momenten trifft und sofort weiß: das ist genau richtig?

Genau so erging es mir die Tage: Ich folgte so dem Geschehen in meiner Timeline, die sich gerade überschlug, da Apple den iPad an diesem Tag vorgestellt hatte und stellte fest, dass nicht ein einziger Tweet sich mit dem 65 Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee befasste. Das habe ich dann mal in die Runde geschrieben und bekam reichlich Antwort. Leider nicht so, wie ich sie erwartet hätte. Aber nun gut, es ist das schöne an einem freien Land, dass eben jeder seiner Meinung haben darf.

Nur irgendwas hat das mit einem mal ins Rollen gebracht, dass ich mir dachte: Eigentlich gefällt mir diese Twitterei soo nicht: da folgen Dir 530 Leute und Du kommunizierst immer nur mit einer Handvoll davon. Und dann und wann kommen aus dem dunklen unbekannten der Gefolgschaft  Tweets, die Dich schaudern lassen! Wer ist diese schweigende Masse die da sonst noch mitliest?

So war das eine der Auslöser, aber dann kommt eben ein Gedanke zum Anderen und am Ende stand die Erkenntnis: so will ich das eigentlich nicht!

Ich weiß noch, als ich mit Twitter angefangen hab: 50 Follower, 100 Follower 200 Follower, man das war ja das Größte: Die wollen alle lesen was ich so von mir gebe. Wahnsinn! Und dann, wenn einem so ein Follower-Ungeheuer mit tausend oder mehr Follower gefolgt ist, cool! Jetzt ist man dick drin in der 2.0 Welt.

Eigentlich bin ich aber kein 2.0 Typ :-)

Ich habe Twitter schnell für mich als Instant Messenager umgebaut und benutze es heute noch überwiegend so. Dieses Ich-setze-eine-Statusmeldung-in-die-Welt-ab und das war’s, ist einfach nicht mein Ding! Sollen die echten Geeks es so machen. Ich habe mir in dieser 2.0 Welt sehr schnell 1.0 Verhältnisse geschaffen, wie ich erkennen musste: Soziale Kontakte eben. Und Kontakte beruhen meiner Ansicht nach auf Interaktion, also chatte ich mit den Leuten, guck ihre Bilder an, Lese ihre Blogs und nehme also ein bisschen, quasi 1.5 mäßig an ihrem Leben teil und manche treffe ich und mache sie zu Bekannten, potentiellen Freunden.
Und das gefällt mir!

So wusste ich also binnen Minuten, dass ich keine unbekannte Masse an Leuten mehr haben wollte, die an meinen Sprüchen teilnehmen, aber nie mit mir zur Interaktion kommen.

Aber wie sollte ich das in die Tat umsetzen?
Ich dachte daran, höflich um Entfolgung zu bitten? Aber zum einen wäre das eine Mörderarbeit gewesen und zum anderen wären sicherlich nicht alle gegangen und ich wollte in keinem Fall jemanden blocken. Das war das einzige, was von Anfang an klar war: Ich fange nicht an die Leute wegzublocken, denn schließlich habe ich sie ja vorher eingeladen mir zu folgen und da kann ich sie nicht plötzlich wegblocken! Da wär ich mir zu bescheuert vorgekommen.

Also habe ich mir einen neuen Account angelegt, von der ersten Minute an protected und angefangen Euch ein Stück weit rüber zu ziehen.
Ich hoffe, ich habe keinen übersehen, aber selbst wenn: Irgendwann fällt ’s mir schon auf.

Allen die schon rüber gesprungen sind, sage ich ein dickes DANKE, dass Ihr den ganzen Palaver fast meckerfrei mitgemacht habt, denen die noch nicht rüber gemacht haben sage ich, dass ich mich sehr freuen würde, wenn Ihr kommen würdet!

Den vielen unbekannten Followern sage ich: Danke dass Ihr mich in irgend einer Art interessant fandet! Macht’s gut!

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16 Gedanken zu „Kurzentschlossen

  1. Ähnliche Gedanken hatte ich mir auch mal gemacht. Wollte den Account protecten und neu anfangen. Das Problem: du weißt vorher nicht, ob der Follower interessant ist oder nicht und ob du ihm zurückfolgen möchtest. Mancher entpuppt sich erst später als interessant, wieder andere haben gute und schlechte Phasen. Es bleibt eben nur: ausprobieren, reinlesen, evtl. wieder entfolgen.

    Ich betrachte Twitter als Nachrichten-Feed und unterscheide zwischen interessanten und uninteressanten Nachrichten. Ich bin nicht beleidigt, wenn mich jemand entfolgt und entfolge regelmäßig Leute, die mich nicht (mehr) interessieren. Twitter ist eben nicht Facebook. Wer mir folgt, ist mir egal – ich hab’s aufgegeben, Werbe-Accounts, Coaches und Marketing-Fritzen zu blocken.

    Schade finde ich, dass die Kontakte über Twitter nicht mehr so spontan zustande kommen wie noch vor einem Jahr.

    Ich wünsch‘ dir viel Glück und viel Spaß mit deinem neuen Account!

  2. Ich kann genau genau GEEEEENAUUUUUU nachvollziehen, warum Du das gemacht hast. Mit meinem alten Frau-Schaaf-Account ging es mir nämlich ebenso. Der hatte über 500 Follower, mit wenigen davon war ich in wirklich regelmäßigem Kontakt und als ich mal über ein sehr schlimmes Erlebnis twitterte, weil ich mit der Situation einfach überfordert war, musste ich mir unterschwellig ‚Sensationsgeilheit‘ vorwerfen lassen. Ich hab dann ein paar Wochen ganz aufgehört, wieder angefangen, protected, Leute rausgeworfen, wieder aufgehört, etc.pp., bis ich mich entschlossen habe, es so, wie Du zu machen. Weg mit dem alten Account und nochmal von vorn. Ich habe jetzt sehr viele Menschen in der Timeline, die ich auch privat kenne, einige kenne ich schon seit Jahren übers Netz und dann gibt es noch solche, wie Dich, die neu dazu gekommen sind und bei denen man hängenbleibt, weil sie nicht einfach nur darauf aus sind, die meisten Faves oder Follower zu bekommen. Und das ist auch gut so. ;) Ich danke Dir auf jeden Fall, dass ich dabei sein darf und wünsche Dir bei Deinem zweiten Twitterstart ganz viel Freude!

  3. interessante sichtweise, meine ist es nicht :-)
    twitter ist sicher auch ein kommunikationskanal, aber auch nachrichtendienst oder empfehlungsdienst- im sinne von was ist lesenswert. bei vielen leuten twittert man so nebenher, man folgt sich gegenseitig, liest sich vielleicht auch, redet aber nicht- bis irgendwann mal der zeitpunkt kommt, wo miteinander kommuniziert und der andere vielleicht genau die antwort hat, die man sucht, oder man selber hat für ihn die antwort.

    eine zeitlang war ich protected, das habe ich wieder geändert, weil zum beispiel meine deg-tweets gefunden werden sollen. oder meine ruhrgebiets-tweets. sachen, die mir am herzen liegen, für die mache ich auch „werbung“. ein grund ist aber auch, dass mein account sicher halb-privat, halb-beruflich ist, marketing menschen vielleicht anders twittern als so pinguine wie du ;-)

    ich mag es wie es ist- und wenn ich nicht will, dass eine fremde, schweigende masse es nicht mitbekommt, dann twittere ich es nicht!

    viel spaß weiterhin – dir und uns!

  4. Ich gebe zu, im ersten Moment war ich ein wenig erschrocken, als ich Deinen Tweet gelesen hatte, weil es sich fast danach anhörte, als wolltest Du aufhören zu twittern!
    Deine Entscheidung kann ich gut nachvollziehen, weil ich selbst schon oft darüber nachgedacht habe, wen es überhaupt interessiert, was ich so von mir gebe, zumal ich mir wirklich Mühe gebe, jeden „Verfolgten“ auch wirklich zu lesen.
    Ich schätze Dich nicht nur als Twitterer sondern auch als Blogger und aufmerksamen Blogleser, daher freut es mich ganz besonders, dass Du daran gedacht hast, mich mitzunehmen!
    Lieben Gruß,
    Yvonne

  5. Puh, Glück gehabt. ^_^

    Nicht nur die Tell-Veranstaltung an dem Tag fand ich gräuslich. Mich störte irgendwie auch, daß weder Köhler noch Merkel es für nötig hielten, an den 65-Jahr-Feierlichkeiten teilzunehmen. Dabei hat das doch irgendwie auch was von Jubiläum, so eine 65. Oder?

  6. …und irgendwie kommen wir alle nicht mehr davon los :)
    Ich freu mich, dass ich immer noch dabei sein darf. Du würdest mir fehlen, wo Du mich doch schon so oft zum (Nach)denken angeregt hast. Auch jetzt wieder. Danke dafür.
    Lieben Gruß
    Antje

  7. ich kanns verstehen, wirklich …
    und ich finds auch okay :D
    manchmal ist es schon fast gruselig , was man plötzlich für zuspruch oder auch gegenwind bekommt :D
    wir lesen uns in der timeline
    lg sandra :bandit:

  8. Herzlichen Glückwunsch! Hier denkt jemand mal nach und versucht, Lösungen zu finden. Er arbeitet daran, dass sich sein Umfeld verbessert und macht das auf eine charmante Art. Ich wünsche Dir, dass Twitter nun so wird, wie Du es Dir vorgestellt hast. Ein bisschen mehr mit Leben und Persönlichkeit gefüllt eben. Bin gerne ein Teil davon.

  9. das, was du machst ist überhaupt nicht 1.5 oder 1.0. denn 2.0 bedeutet doch nichts anderes, als das, was du tust: senden und empfangen.

    ich habs schon oft gesagt und geschrieben, twitter hat keine regeln und das ist auch gut so. jeder nutzt es so, wie er will. ich freue mich über follower und faves (und mal ehrlich, wer nicht???). ich freue mich aber genauso über ein spontanes gespräch über die timeline. an manchen tagen möchte ich eben mehr microbloggen, aber das kann innerhalb von minuten umschlagen.

    wenn einer meiner follower einen link postet, der mir interessant erscheint, dann schau ich nach, ggf. poste ich ihn dann bei facebook oder retweete ihn. alle meine followees immer nachzulesen geht nicht mehr, zugegeben, aber es ist nur ganz selten, dass ein reply an mich unbeantwortet bleibt, egal, ob ich demjenigen folge oder nicht.

    ich kann deine beweggründe nachvollziehen. aber für mich wäre das keine lösung. an diesem bestimmten abend war ich einfach massiv genervt von den apple-fanboys, die die stunden runterzählten und dann, als klar war, dass das ding (große überraschung) nix taugt, gleich wieder ihre marke verteidigt haben. aber das ist ein anderes thema… :)

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