Loveparade, Twitter, Idioten und Moralisten: Eine Polemik

loveparade

Eigentlich wollte ich nichts zu den Ereignissen gestern auf der Loveparade und dem darauf folgenden Mediengewitter schreiben, weil ich nicht gern auf populäre Züge springen mag. Dann jedoch habe ich mir gesagt, dass ich genau dafür diesen Blog habe: Um über Dinge zu schreiben, die mich bewegen oder auch aufregen….

Natürlich gab es gestern fast nur ein Thema auf Twitter: Die Toten von Duisburg und damit verbunden unter anderem auch die Frage nach den Verantwortlichen. Was da so über den Äther ging war doch von stark unterschiedlicher Qualität meiner Meinung nach.

Es gab die Leute, die einfach nur betroffen waren und dies auch deutlich zum Ausdruck gebracht haben. Betroffenheit kann auch in Wut enden: Wieso konnte das überhaupt passieren?

Dann gab es die Arschlochtwitterer, die mal wieder ihre Chance gesehen haben, zynische Witze zu machen. Zitat: 16 Tote in Duisburg auf der Loveparade: Muss wohl am Techno liegen….
Ich glaube nicht, dass man da noch was dazu sagen muss! Das liegt kurz vor dem totalen Versagens des Großhirns und spricht für totale Debilität der Schreiber.

Schwieriger dann schon die Intellektuellen oder solche, die sich dafür halten und meinen der dumpfen Masse mal näher bringen zu müssen, dass man solche Ereignisse immer mal relativieren muss, bevor man sich zu sehr aufregt. Zitat: Liebe Betroffenheitsspezialisten, wir haben täglich 11 Tote durch Verkehrsunfälle, 26 durch Suizid, 191 durch Alkohol und 329 durch Rauchen.
Sachlich richtig, trotzdem für mich widerwärtig, ekelhaft und zynisch.
Man kann nicht einfach den Leuten ihre Betroffenheit und die wiederrum daraus unter Umständen resultierende Wut absprechen. Arrogante Arschlöcher!
Ich frage mich, woher man diese widerliche Arroganz beziehen kann…..

Dann gibt es die, die tatsächlich recht haben, weil sie Mäßigung und Geduld einfordern, bevor jemand verurteilt wird.
Diesen Abstand habe ich zugegebenermaßen immer erst ein paar Tage nach solchen Ereignissen, zumal für mich offensichtlich erscheint, dass sowas an diesem Ort passieren konnte und ich sicher bin, dass es Warner gegeben hat, auf die niemand gehört hat, weil es um dickes Prestige (Stadt Duisburg) und Geld (Veranstalter) ging. Nicht ohne Grund hat Bochum die Ausrichtung der Loveparade abgelehnt!
Aber auch bei dieser Gruppe merkt man bei einigen den deutlichen Versuch sich von der Masse abzuhebung. Denen möchte ich sagen: Ja, Ihr Lieben, auch wenn Ihr recht habt, es gibt einfach Leute, die manchmal einfach nur betroffen und wütend sind und man kann es sich sparen, auf sie fast mitleidig herab zu blicken. Einfach mal Klappe halten!

Wir werden sehen was passiert. Ich schätze nicht viel. Irgendein kleiner Wicht wird gehängt werden und alle anderen werden sich die Hände in Unschuld waschen.

Mich treibt aber eine andere Frage um, die irgendwie nirgendwo diskutiert wird: Sind solche Veranstaltungen, mit diesen Menschenmassen überhaupt beherrschbar, wenn etwas unvorhergesehenes passiert?
Wer so wie ich schon häufiger mal bei Festivals und Rockkonzerten war, der weiß, wie viel Chaos schon 50.000 bis 100.000 Leute erzeugen können. Aber eine Millon auf einem kleinen Raum? Wie will man sowas wirklich Händeln, wenn etwas passiert?
Aber es muss ja immer alles immer größer und schöner werden…..

So, dass musste ich loswerden….

Ähnliche Beiträge

Ein Gedanke zu „Loveparade, Twitter, Idioten und Moralisten: Eine Polemik

  1. Mahlzeit…

    hast schon Recht mit dem Beitrag.
    Was mich persönlich (gerade auf Twitter) genervt hat, sind diese hoch moralischen Tweets.
    Das nervt auch, aber das ist auch bei anderen Themen.
    Das riecht immer nach Selbstjustiz.

    Es wird immer die Sau durchs Dorf getrieben – egal worum es geht.

    Auch wenn ich mich gerne mal aufrege etc. und es mir schwer fällt. Ich versuche mich da ganz rauszuhalten. So mehr oder weniger.

    Solche Unglücke werden immer wieder passieren.

Kommentar verfassen