Die Messe gelesen…….

 
6Als ich ich in letzter Zeit mit Kollegen und Freunden so darüber gesprochen habe, dass ich zum Leonard Cohen Konzert in Dortmund gehen würde, gab es eine Menge gleichartiger Reaktionen:
Leonard wer??
Ist das nicht eher Musik für’s Sofa, Kerzenschein und ein Glas Rotwein??
Der ist doch 76, was will der noch auf einer Bühne??
Nun, wer Leonard Cohen nicht kennt, dem kann ich natürlich nicht mehr helfen, unterstelle aber dann auch einfach mal kein großes Interesse an Musik. Denn egal, ob man ihn mag oder nicht, er ist einer der bedeutensten Songschreiber und Sänger der letzten 100 Jahre! Also Pech gehabt!
Die Fragen, ob man ihn nicht besser Zuhause bei Kerzenschein hört und ob ein Sechsundsiebzigjähriger wirklich noch auf der Bühne bestehen kann, habe ich mir auch gestellt…  Aber ich habe mich dann doch dafür entschieden hin zu gehen: Solange ich Musik höre, liebe ich seine Musik. Und das ist wortwörtlich so. Ich kann mich an keine Zeit in meinem Leben erinnern, seit ich Musik höre, in der seine Musik nicht dabei war. Und noch nie habe ich ihn live gesehen. Sicherlich habe ich 50 oder 60 Bands live gesehen, sicherlich nahezu alle großen, aber eben noch nie Leonard Cohen.

5Also gings gestern dann direkt nach der Arbeit auf nach Dortmund in die Westfalenhalle. Kleiner Nebeneffekt: Es war schön die Halle mal wieder zu sehen, in der ich früher so viele tolle Konzerte gehört und gesehen habe, denn bevor es überall diese neuen Arenen gab, war die Westfalenhalle die bekannteste und beste Halle im gesamten Ruhrgebiet und so manche Feier habe ich dort mit Freunden zelebriert.

Also in die Halle, ein Stück Pizza essen, ein Bier besorgen und erst mal gucken, wo denn wohl der Raucherbereich ist Smile
Anschließend den Platz suchen und angenehm überrascht sein: Die Plätze sind tatsächlich so gut, wie ich mir das bei der Kartenbestellung gedacht / erhofft hatte…

Dann irgendwann geht die Saalbeleuchtung aus und die Bühnenscheinwerfer an und Leonard Cohen betritt die Bühne.

Erste Gänsehaut: Wie ein Mann steht die Halle auf und applaudiert einem Mann, der noch keine Zeile gesungen hat. Ein Zeichen von Respekt, wie ich finde!

1000_kissesLeonard Cohen, wie immer im tadellosen Anzug und obligatorischem Hut, zieht denselben und dann klingen auch schon die ersten Töne von Dance Me To The End Of Love durch die Halle.
Gänsehaut Nummer 2 und Klos im Hals!
Schaut man sich um, stellt man fest, dass es vielen so geht: Sie sind ergriffen! Komisch oder?
Ich kann es auch nicht recht erklären, aber das ist im Prinzip die Gefühlslage, die mich den ganzen Abend nicht mehr verlässt: Ich bin ergriffen von dieser Musik und kann es nicht erklären. Natürlich verbinde ich mit seiner Musik viele Erinnerungen an diverse Stationen in meinem Leben, aber das tue ich auch mit anderer Musik. Ich kann nicht erklären, was mich an diesem Abend so anfaßt..
Ich war schon auf unzähligen Konzerten, aber noch nie habe ich eines erlebt, das atmosphärisch so dicht, so “privat” war. Man sieht um sich herum viele Leute (und nicht nur Frauen) die immer wieder Tränen in den Augen haben und jeden Ton in sich aufsaugen! Dabei schafft Leonard Cohen es immer wieder die Stimmung nicht zu ergriffen oder gar kitschig werden zu lassen.
Nach den Höhepunkten There Ain't No Cure For Love; Bird On A Wire, Everybody Knows,Who By Fire und Lover Lover stellt Leonard Cohen kurz vor der Pause seine großartige Band vor und zieht vor jedem seinen Hut.
Dann folgt eine 20 minütige Pause, die ich zum obligatorischem pinkeln und ein weiteres Bier nutze Smile

 

08

Leonard Cohen Unified Hearts Tour-Band:
Leonard Cohen: Gesang, Gitarre, Keyboard
Roscoe Beck: E-Bass, Kontrabass, Gesang
Neil Larsen: Hammond B3, Keyboards, Akkordeon
Bob Metzger: E-Gitarre, Petal Steel Guitar, Gesang
Javier Mass: Banduirra, Laute, 12-Saitige Gitarre
Rafael Gayol: Schlagzeug, Percussion
Dino Soldo: Keyboard, Saxophon, Mundharmonika und diverse andere Blasinstrumente, Gesang
Charly & Hattie Webb: Gesang, Harfe, Gitarre, Percussion

 

Nachdem der erste Teil des Konzertes etwas über eine Stunde ging, erwartete ich den zweiten Teil in etwa der gleichen Länge.

Ich sollte mich täuschen!
Dieser Grandseigneur der Musik legt nochmals ein fast zweistündiges Set hin. Und das mit sechsundsiebzig!
1Höhepunkt des zweiten Teils war sicherlich das unzählige male gecoverte und doch nie erreichte Hallelujah. Spätestens hier sieht man dann wirklich Tränen fließen!
Nach insgesamt 6 Zugaben, geht dann um 10 vor Zwölf das Licht wieder an und wir erwachen wie aus einem Traum.
Klingt etwas übertrieben “wie aus einem Traum erwachen” aber es war so.
Irgendwie hat er es geschafft uns aus diesem Universum zu beamen und in sein eigenes eintreten zu lassen. Ist mir schon klar, dass dies alles ein wenig verkitscht klingt, es ist aber wirklich schwer zu beschreiben, was den Zauber eines solchen Abends ausmacht. Es war mir persönlich eine Ehre dabei gewesen zu sein und jetzt, wo diesen kleinen Blog schreibe, nebenbei die Live CD höre, habe ich nur bei der Erinnerung wieder einen Klos im Hals….

Es blieben keine Wünsche offen! Alles und ich meine wirklich alles, was von an diesem Abend erwarten konnte, wurde gespielt.
Am Ende zieht Leonard Cohen seinen Hut vor den Musikern und dem Publikum und mir bleibt auch nicht mehr als das gleiche zu tun und mich für diesen Abend zu bedanken.

Ich habe viele Konzerte gesehen und manche davon haben mich bewegt, viele haben mich gerockt oder sonstwas mit mir angestellt, aber ich würde heute sagen, dass dies wahrscheinlich das beste Konzerterlebnis in meinem Leben war und mir die Vorstellungskraft fehlt, mir vorzustellen, was das noch toppen könnte!
In einem Bericht über dieses Konzert habe ich gelesen, dass der Author sagt, dies sei kein Konzert, sondern eine Messe, ein Hochamt gewesen. Dem kann ich mich nur anschließen.

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