Hirn Implosion

Die Dinge eskalieren in Stuttgart und wie mir scheinen will nicht nur in Stuttgart.  So manches Hirn scheint als unmittelbare Folge der Ereignisse implodiert zu sein und mit einem leis’ vernehmbarem Plöpp die Luft verloren zu haben!

Was liest man da doch wieder in so manchem Blog und und bei Twitter:

“in stuttgart kleine kinder verprügeln und ansonsten versuchen alles durch zensur unter kontrolle zu bekommen […] das ist CDU!”

“@[…] und so passiert es immer wieder, vermummte beamte prügeln wie besoffene kampfhunde auf alles ein. im schutz ihrer anonymität.”

“das einzige was die elenden bastarde von politikern heute noch machen können, ist vermummte schlägerbullen schicken. drecks CDU!!! #s21

Das ließe sich dann jetzt noch endlos fortsetzen. Geht man auf die Blogseiten, findet man viele Einträge, die sauber erklären, warum eine repräsentative Demokratie eine scheiß Regierungsform ist und abgeschafft gehört, weil sie eh nur der herrschenden Klasse dient. Man liest allenthalben das Wort vom Polizeistaat und sogar von Diktatur ist zu lesen….

Sorry, aber jetzt mal ehrlich: ham’ die Euch ins Hirn geschissen??

Hätten wir einen Polizeistaat oder eine Diktatur, dann dürftet Ihr eben solche Kommentare NICHT von Euch geben, ohne dafür in den Knast zu kommen. Eben dieser “Schweinestaat” schützt Eure Meinungsfreiheit!

Und eben jene “scheiß Bullen” halten oft genug genau dafür den Kopf hin.
Natürlich muss man Gewalt immer hinterfragen und wenn unsere Exekutive Ihr Gewaltmonopol kriminell einsetzt, ist das zu untersuchen,verfolgen und zu bestrafen. Sicher müssen wir auch darüber reden, Polizisten erkennbar zu machen, zum Beispiel durch Nummern. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass diese Polizisten vermummt bleiben müssen!
Warum?
Nun, wären sie es nicht, würde sich doch Ruck-Zuck einer von Euch ewig Gestrigen finden, der sein Foto über Facebook, Twitter etc verbreitet und anschließend mitsamt Namen und Adresse bei Facebook und Co reinstellt.

Internet ist nicht nur Freiheit, sondern kann auch Terror sein!

Ich muss es Euch leider in dieser Deutlichkeit sagen: Ich finde Eure Hetze widerlich und zum kotzen. Für mich seit Ihr genauso schlimm wie die Neonazis. Ob unsere Gesellschaft von links oder rechts beschossen wird, ist mir eigentlich egal. Die extremen Außenpositionen sind in der Regel von Faschisten besetzt, die an alles denken, nur nicht an die Mehrheit.
In dem Glauben alleine die glücklich machende Wahrheit zu besitzen haben schon immer Leute andere Leute auf den Scheiterhaufen geschickt.

Weiterhin bin ich fest davon überzeugt, dass die meisten Stimmungsmacher noch nie in ihrem Leben wirklich was politisches getan haben. Ihr sitzt doch schön mit ‘nem Fläschen Bier auf dem Sofa und zieht Euch sabbernd YouTube- Handyvideos mit den neuesten Gewaltexzessen rein und ereifert Euch! Ein Online-Formular irgendwo auszufüllen und auf den Send-Button zu drücken, ist nicht wirklich, was ich mir unter politischer Anteilnahme vorstelle.

Was mich wirklich freut, ist, dass es auch hier und jetzt Leute gibt, die sich diesem Trend entgegenstellen und wie der Rufer im Dunklen, zur Zurückhaltung und Analyse aufrufen. Das ist der richtige Weg!
Allerdings wird auch oft darauf hingewiesen, dass mitspracheberechtigter Bürger sein nicht nur eine Gunst ist, sondern auch mit einer großen Bürde verbunden ist: Verantwortung!

Darüber solltet Ihr mal nachdenken.

Und übrigens: Dies ist keine Stellungnahme, ob ich nun für oder gegen Stuttgart 21 bin.

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13 Gedanken zu „Hirn Implosion

  1. …auch diesen Artikel unterschreibe ich zu 99%.
    Etwas ähnliches hatte ich auch vor zu verfassen, aber eher mit dem Titel „Meinungsdiktatur Twitter“

  2. Du sprichst mit aus der Seele!
    Ich weiß jetzt schon, daß sich einige auf den Schlips getreten fühlen werden So what!

  3. Ich habe gestern mit mir gerungen, auch etwas dazu zu schreiben, habe es letztendlich dann doch nicht gemacht. Wenn ich es aber getan hätte, wäre sicher ein ähnlich lautender Artikel dabei rausgekommen.
    Ich war entsetzt, wie viele aus meiner Timeline, die ich ansonsten sehr schätze, sich auch darauf eingelassen haben und sich zu Äußerungen hinreißen ließen, die mich schaudern machten.
    Vielleicht war es feige, aber ich habe irgendwann den TweetDeck-Filter genutzt und so die meisten Kommentare einfach ausgeschaltet.
    Dabei geht es mir nicht darum, dass ich die Menschen nicht verstehen könnte, die dort Ihre Meinung vertreten haben – im Gegenteil! Ich bin selbst politisch aktiv und war vermutlich schon zu mehr Demonstrationen als die meisten Retweeter, die ich im Laufe des Tages zu lesen bekam. Aber darum ging es hier ja gar nicht mehr!
    Das war dann auch der Grund für mich, nichts dazu zu schreiben: Es wäre bei den Angesprochenen überhaupt nicht angekommen.
    Ich würde mir wünschen, bei der nächsten Wahl nicht von den selben Leuten zu lesen, dass sie nicht hin waren.

  4. jetzt hast du schon 4 Kommentare zu deinem Post!

    Damit bist du was die Responzrate (basierend auf deinen Zahlen) anbelangt besser als jede Doordrop-Aktion :-D
    Was willst du mehr? Schreiben ist immer irgendwie auch wie gegen eine Wand zu reden. Aber hier und dort bröckelt zuerst der Putz und dann gibt der erste Stein nach.

    Also schreib weiter!

    Markus

  5. Das unerträgliche bei Twitter ist ja inzwischen, dass man ja nicht einmal mehr das Verhalten in Frage stellen darf ohne gleich angegiftet zu werden.

    Generell habe ich für mich entschieden, in solchen Momenten einfach den Mund zu halten

  6. Ich schließe mich Deiner Meinung absolut an. Was zu dem Thema auf Twitter abgeht, ist nicht mehr normal. Viele vergessen scheinbar, dass wir in einem Rechtsstaat leben. Ob der harte Einsatz der Polizei bei der Demonstration gerechtfertigt war oder nicht, entscheiden, zum Glück, immer noch die Gerichte (wenn es denn soweit kommt) und nicht das Web2.0. Dieses polemisch-pseudopolitische, linksautonome Geseier mit den offensichtlichen Aufrufen zur Gewaltbereitschaft von Einigen ist unerträglich. Manchmal erinnert mich das Verhalten echt an einen Mob mit Mistforken und brennenden Fackeln, der nicht davor haltmachen würde, Unschuldige zu….

  7. @beingmenow
    @pooly

    ich glaube, wir sind zu oft still oder denken „was bringt das schon, wenn ausgerechnet ich jetzt was sage“.
    Ich finde es bingt Zweierlei: Einseits habe ich mir den Frust von der Seele geschrieben und vielleicht ermutigen wir so andere, diesen „Meinungsmachern“ Widerspruch entgegen zu bringen.

    lg Markus

  8. ich kann die Wut empfinden; habe doch massive Einsätze des Staates in den 60/70igern erlebt. Die waren oft nicht rechtens. So darf man nicht mit Menschen umgehen.
    Die aktuelle Diskussionen um den Einsatz der BW im Innernen macht mir Angst wenn ich diese Bilder sehe.

  9. @wolfgang
    Natürlich ist man manchmal wütend. Hast Du jemals meine Tweets verfolgt, wenn Wahl ist? Aber diese Wut darf nicht losgelassen werden, weil sie nichts erbaut oder erschafft, sondern nur zerstört. Das ist das besondere an unserer Regierungsform, wie ich finde: die Emotion spielt keine Rolle, sondern das Gesetz!

    lg Markus

  10. Also ich bin ja ehrlich gesagt auch FÜR die Gegner von Stuttgart21.
    Ich finde die Proteste an für sich sogar sehr bemerkenswert, aber manch‘ einer Redet von „Kindermördern“ und so weiter…

    Und ganz ehrlich:
    Ich würde es eher begrüßen, wenn die Menschen mal gegen diese asoziale Politik der Regierung demonstrieren würden – in Berlin – und nicht gegen ein Gebäude… auch wenn es wohl letzten Endes auch Ausdruck der Unzufriedenheit mit unserer Politik ist.

  11. @POOLY
    Ich bin auch gegen S21, aber nicht wegen ein paar Bäumen oder einem alten Haus, sondern, weil es nicht sein kann, dass die öffentliche Hand ein Projekt X mit einem Betrag plant, der sich dann vervielfältigt und keiner trägt dafür die Konsequenzen, sondern wir alle zahlen fleißig dafür.
    Aber S21 hat doch schon nichts mehr mit dem Ausgangsthema zu tun. Die Opposition wittert Morgenluft, obwohl sie damals dafür gestimmt hat und Berufsaktivisten haben das nächste Thema für sich gefunden.
    Das ganze ist von einer sachlichen Debatte soweit entfernt, wie der Mond von der Erde!
    Das Thema ist längst instrumentalisiert worden.

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