Eindrücke aus China

Deutschland-China

Vor kurzem musste ich das erste mal beruflich nach China reisen. Nicht nur beruflich war es meine erste Asienreise, auch privat war ich noch nie in diesem Teil der Welt. Zwar  habe ich beruflich einiges mit China zu tun, aber vor Ort war ich eben noch nie.

Die Reise führte mich erst vier Tage nach Beijing im Norden und dann 5 Tage nach Wuhu im Süden Chinas.
Meine Eindrücke vorweg zusammengefasst: Ein Land der Gegensätze für mich. In jeder Hinsicht.

Beijing oder Peking wie wir es nennen, ist die größte Stadt, die ich bisher besucht habe. Hier findet man ein – für mich – wüstes nebeneinander von altem China und einer modernen Großstadt, in der das Leben rund um die Uhr pulsiert.
Die Kollegen haben uns viel ausgeführt und uns so viele Eindrücke verschafft .
Man geht durch eine Strasse und es sieht alles aus, wie man es erwartet: kleine mobile Fressbuden am Strassenrand, an denen jede Menge Chinesen sitzen und undefinierbares essen und zwei Strassen weiter im 25. Stock eine Roof-Top-Bar mit feinsten stylischen weißen Möbeln, Jazzmusik und edlen Cocktails. Diese Übergänge sind unmittelbar und ohne Zwischenstufen.
In Wuhu, etwa 350 km von Shanghai aus ins Landesinnere gefahren, findet man eine expandierende Industriestadt, für chinesische Verhältnisse mit 2,2 Millionen Einwohnern eher klein.

Die Baustellen, an denen dreißigstöckige Hochhäuser gleich im Dutzend aus dem Boden gestampft werden, findet man an jeder Ecke der Stadt. Ebenso wie große Niederlassungen vieler großer Konzerne, die sich dort nieder gelassen haben. Fährt man 1 Stunde aus der Stadt heraus, sieht man plötzlich Bauern, die mit Wasserbüffeln ihre Reisfelder bearbeiten und in ärmlichsten Behausung leben. Plötzlich entspricht wieder alles dem Klischee, welches zumindest ich noch latent irgendwo von China hatte.

Auch dieser Gegensatz kommt ohne große Grautöne daher.

Auch die Menschen sind für mich ein einziger Gegensatz: Die sprichwörtliche Gastfreundlichkeit und Freundlichkeit ganz allgemein der Menschen dort ist auch nur zum Teil wahr. Ist man Bestandteil einer Gruppe (zum Beispiel Arbeitskollegen, die gemeinsam ausgehen) versuchen die Chinesen wirklich einem jedem Wunsch von den Augen abzulesen. Ein unachtsam geäußertes “Das ist aber interessant” oder “das sieht aber lecker aus” führt unmittelbar dazu, dass man versuchen wird einem diesen Wunsch zu erfüllen. Ohne wenn und aber. Das Ablehnen eines Getränkes (zum Beispiel eines Schnapses) führt dazu, dass der Gastgeber den Eindruck hat, er habe das falsche Getränk ausgesucht und er wird immer weiter versuchen das richtige Getränk zu finden. Findet er es nicht, wird er nicht denken, sein Gast sei ein verwöhnter Bengel,sondern er wird sich selbst als schlechten Gastgeber empfinden…

Ist man nicht Teil einer solchen Gruppe, sind Chinesen absolut auf sich selbst bezogen: Es wird gedrängelt und der eigene Vorteil gesucht, dass es einen staunend zurück läßt.  Beispiel: Wir stehen mit 5 Mann vor einem Aufzug, der grade ankommt und Leute steigen aus. Wir Europäer machen brav platz, während ein Chinese durch die Aussteigenden in den Aufzug hindurchstürmt und sogleich die Türe schließen Taste drückt. Nur der rasante Einsatz eines Fußes in den Türspalt sorgte dafür, dass wir mitgekommen sind. Laut Auskunft der schon länger in China lebenden Kollegen ein völlig normales Verhalten…

Ein schwierigeres Kapitel für Westeuropäer ist sicherlich das Essen.
Vorab: Ich habe nichts schlechtes oder ekliges gegessen. Das meiste hat sogar ziemlich gut geschmeckt, auch wenn es manchmal etwas abseitig aussah.

Die Essmanieren sind – völlig wertfrei gesprochen – für Westeuropäer sehr schwer zu ertragen: Es wird sprichwörtlich geschmatzt, geschlürft und gerülpst was das Zeug hält. Das war nicht immer ganz einfach für mich: Wenn ich ein Stück Knorpel oder Knochen im Mund habe, nehme ich eben die Serviette, um es unauffällig aus dem Mund zu bekommen. In China wird es einfach auf einen kleinen Abfallteller gespuckt. Da darf ich dann nicht zu genau nach links und rechts schauen.
Die Nase sehr geräuschvoll hochzuziehen ist völlig akzeptiertes Verhalten, während man von dem gebildeten Touristen oder Arbeitskollegen aus Europa erwartet, dass er zum Naseputzen auf die Toilette geht, weil dies in China als recht abstoßend empfunden wird.
Nochmal: Keine Wertung an dieser Stelle! Es soll nur klar machen, dass hier Kulturen aufeinander treffen.

Ein Tipp am Rande, falls Ihr mal von Kollegen zum Essen eingeladen werdet: Überlegt Euch vorher, ob Ihr Alkohol trinken wollt oder nicht. Nicht trinken bedarf einer guten Ausrede (Medikamente, muss noch Arbeiten etc.) Entschließt Ihr Euch dazu Alkohol zu trinken und der erste Kollege steht vor Euch und prostet Euch mit einem Ganbei (Ex und weg) zu, seit Ihr verloren: Ablehnen geht nicht mehr. Es wäre eine Beleidigung des Kollegen. Und jeder Kollege wird mehrfach mit Euch anstoßen wollen. Legt Euch schon mal Kopfschmerztabletten bereit Smiley

Arbeiten mit Chinesen ist auch recht schwierig für uns Westeuropäer: Wir sind es gewohnt in einem Meeting klar Stellung zu beziehen und die eigene Meinung offensiv zu vertreten. Das ist in China völlig unüblich. Ein “Yes” eines Chinesen bedeutet soviel wie “ich habe Dich gehört, ich habe verstanden was du sagen willst”. Es ist nicht automatisch als Zustimmung zu verstehen. Hingegen ist ein “maybe” auf die Frage, ob irgendetwas so geht, schon als klares Nein aufzufassen ist.
Bei uns ist es normal, auch mit seinem Chef kontrovers zu diskutieren und ihm auch zu widersprechen. In China ein Unding. Der Chef ist eben Chef, weil er es besser weiß. Wird ihm in einem Meeting von einem Untergebenen deutlich gemacht, dass er irrt, verliert er sein Gesicht und wird von niemandem mehr ernst genommen. Diese Verhaltensweisen legt der Chinese nicht nur auf andere Chinesen an, sondern auch auf uns, wenn wir da sind. Hierarchie ist hier alles!

Es gäbe noch viel zu erzählen, aber Ihr merkt schon: Mein Eindruck ist ein sehr zwiespältiger. Ich weiß noch nicht recht, wo ich das Land und seine Menschen hinstecken soll. Auf der einen Seite ist es eine faszinierende Kultur mit vielen schillernden Seiten und sicherlich unglaublich vielem, was es zu entdecken gäbe. Auf der anderen Seite ist die Kultur oder zumindest Teile davon mir wirklich fremd und ich denke nicht, dass ich wirklich einen Zugang dazu bekommen könnte.

 

Ich denke es wird spannend mitanzusehen, wie China sein gigantisches Wirtschaftswachstum verkraften wird. Es ist eine Sache, das Wirtschaftswachstum in Nachrichten und  Zahlen zu sehen und auf der anderen Seite einmal live und in Farbe zu sehen, wie dieses Land expandiert. Oder schon eher: explodiert!  Die Gegensätze zwischen reich und arm sind einfach krass. Und verbunden mit den vielen ausländischen Einflüssen, denen das Land ausgesetzt ist, kann ich nicht sehen, wie das Land dies auf Dauer aushalten soll.

Was es mir wirklich gezeigt hat, ist,  wie wichtig interkulturelle Trainings sind, wenn wir mit anderen Kulturen zusammenarbeiten. Sie helfen nicht, jedes Fettnäpfchen zu umgehen,aber man kommt zumindest um die dicksten herum. Es ist ein wichtiger Schritt zu akzeptieren, dass es nicht immer alles so funktioniert, wie wir glauben, dass es funktionieren muss. Wenn man dies im Hinterkopf hat und versucht ein wenig offen an die Dinge heranzugehen, kann das schon dazu führen, dass die Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Kulturkreisen erfolgreicher sein wird.
Ich denke, dass dieser Aspekt heute noch zu stark  unterschätzt wird.

Nur mal Nebenbei: Ich habe tatsächlich die ganze Zeit über mit Stäbchen gegessen. Ich war zwar dem einen oder anderem Krampf nahe, aber ich habe durchgehalten: TSCHAKKA !

Stationen einer Dienstreise

dienstreisen Da viele immer ganz begeistert sind, wenn ich mal wieder auf Dienstreise in die USA oder Johannesburg oder sonstwohin  fahre und mich beneiden, dachte ich mir, ich erzähl nochmal ein bisschen von so einer Dienstreise, auch auf die Gefahr, Euch damit die Illusionen zu nehmen.

Nehmen wir die aktuelle Reise: Ich fliege 5 Tage nach Johannesburg zu unserer Gesellschaft dort, um einen Workshop zum Thema SAP mit den Kollegen zu halten. Üblicherweise fliegen wir nach Johannesburg Sonntags Abend, damit wir Montags Morgens da sind und dann direkt mit der Arbeit loslegen können.
Diesmal bin ich ein wenig spät dran und beginne gegen 14:00 Uhr mit dem Packen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist man in Gedanken nicht mehr so recht zu Hause, sondern beschäftigt sich mit der nächsten Woche.

Sei’s drum: Zuerst den Koffer mit der Kleidung packen und dann den Laptop-Trolli fertig machen. Wie immer, wenn ich fertig bin, die bohrende Frage: Habe ich nicht irgendwas vergessen? Obwohl ich bereits so viele Dienstreisen hinter mir habe, geht diese Frage nie weg. Danach dann: Papiere 5 mal kontrollieren und in Gedanken den Zeitplan etliche male durchgehen: wann Taxi anrufen, wann ist man dann am Flughafen, wann einchecken etc.
Um Halb fünf habe ich dann das Taxi gerufen, um um zehn vor fünf dann am Flughafen zu sein. Wie immer viel zu früh, zumal der erste Flieger erst um Sieben geht. Sei’s drum, schnell einchecken und dann durch den Sicherheitscheck und dann ab in die Launch. Ein Vorteil, wenn man es denn so sehen will der Vielreiserei ist, für annähernd jede wichtige Fluggesellschaft ein kleines goldenes Kärtchen zu haben, mit dem man in die Launch kommt.
Halb Sieben dann Boarding für den Flug nach München und um Acht dann schon Landung in München.
Hier geht es relativ schnell: Um kurz nach Neun ist schon Boarding für den Flug nach Johannesburg. Kurz nach dem Einsteigen gibt es den obligatorischen Schampus. Wann immer wir den Kontinent verlassen, fliegen wir Business. Das Leben kann eben auch Vorteile bieten :-)

Kurz nach dem Abheben kommt der Teil der Dienstreise, den ich eigentlich am liebsten mag: Wenn wir über den Wolken fliegen und ich Anna Ternheim auf den Ohren habe. Ich habe so ein In-Ear-Kopfhörersystem, welches in den Kopfhöreren eingebaute Mikrofone hat, die die Umgebungsgeräusche aufnehmen  und versuchen sie herauszufiltern. Das gelingt nicht zu 100%, aber doch zu gut 80% und das vermittelt einem doch ein Gefühl von Abgeschiedenheit in einem vollbesetzten Flieger.  Dieses Gefühl von Abgeschiedenheit in Verbindung mit über den Wolken zu sein versetzt mich in aller Regel in eine sehr angenehme Stimmung. Soweit oben werden viele Dinge da unten doch irgendwie relativ und von hier oben sieht diese Welt wie ein nahezu perfekter Ort aus…..

Nach rund 10 Stunden Flug landen wir dann um kurz nach 8 in Johannesburg. Es gilt die Einwanderungsbehörde zufrieden zu stellen und direkt nach der Gepäckausgabe nach draußen zu eilen, um endlich wieder eine zu qualmen. Jeder Raucher wird das sehr gut verstehen können und der Nichtraucher mit Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen….
Kurze Zeit später nimmt uns dann auch unser südafrikanische Fahrer in Empfang, der uns in die Firma fährt. Dann folgt ein normaler Arbeitstag im Leben von Consultants: Meeting, Meeting und nochmal Meeting. Nicht das schlechteste Leben, aber unabhängig davon wie gut oder schlecht man in der Nacht zuvor im Flieger geschlafen hat, stellten sich gegen Nachmittag dann doch langsam erste Müdigkeitserscheinungen ein, denen man aber nicht nachgibt, denn schließlich macht an keine Reise on 10.000Km, um dann nur halbe Tage zu arbeiten. Also auf die Zähne beißen und im Zweifelsfall auch den Rest der Mannschaft ein wenig nach vorne treiben ;-)
Abends dann ins Hotel, wieder einchecken und Zimmer begutachten. Sehr schön für mich bei der aktuellen Reise: In Südafrika gibt es noch Raucherzimmer…

Abends geht’s dann zumeist mit den Kollegen noch irgendwo in ein Restaurant, um einen Happen zu essen und ein Bierchen auf den langen Tag zu nehmen. Hier ist es bei mir immer ein Windoek. Wer es mal probieren kann: sehr lecker!

So geht dann eigentlich die ganze Woche weiter: Tagsüber arbeiten abends etwas essen und in aller Regel früh ins Bett. Zumeist twitter ich vorher noch ein bisschen mit Euch, was einem so ein bisschen das Gefühl von nicht-ganz-so-weit-weg-sein gibt, aber dann ist Licht aus angesagt.

Am Abend vor dem Heimreisetag geht es dann wieder los: Koffer packen, aber Sachen für den nächsten Tag draußen lassen: Nicht zu leger für die Firma, aber bequem genug für die Langstrecke.
Morgens, nach dem Frühstück, dann auschecken und mit Sack und Pack in die Firma. Am späten Nachmittag dann wieder los zum Flughafen: Und wieder einchecken, Sicherheitskontrolle, warten auf den Flieger, einsteigen Schampus trinken, Rotwein ordern, freuen auf zuhause, Musik hören schlafen….aussteigen, in neuen Flieger einsteigen, kaputt sein, wieder aussteigen, Gepäck abholen, rauchen gehn, Taxi rufen und ZU HAUSE SEIN!

Zusammengefasst: was habe ich von dem Land gesehen? Nix bis auf ein bisschen Flughafen und ein bisschen Landstraße und Autobahn. Tagsüber arbeitet man und Abends rennt man in Johannesburg besser nicht auf eigene Faust rum ;-)

Aber für mich ist das auch nicht so arg schlimm, da ich ohnehin eher an den Menschen, als an dem Land selber interessiert bin. Aber Ihr seht: es ist nicht so arg viel tolles dran an Dienstreisen: man arbeitet viel und schläft nachts……

Natürlich ist das wie immer nur die halbe Wahrheit! Ein Leben so ganz ohne Dienstreisen wäre nix für mich: Irgendwann würde mir die Decke im Büro auf den Kopf fallen :-)
Die Menge macht eben hier den feinen Unterschied …..

Besuch im Gatorland Orlando

Am Wochenende haben wir die freie Zeit genutzt und waren im Gatorland Orlando.

Hier ein paar der Bilder, die ich dort gemacht habe. Der Besuch hat wirklich Spaß gemacht und ich kann es jedem empfehlen, wenn auch Krokodile wirklich übel riechen…